Ihr Einsatzgebiet ist das Internet. Ihr Auftrag: das Finden von legalen MP3-Dateien. Die Agenten bzw. Redakteure des Musikmagazins Tonspion.de begeben sich tagtäglich auf die Suche nach Songs, die von Musikern oder Plattenfirmen kostenlos zum Download bereitgestellt werden. Die Links zu den Dateien werden zentral auf der Online-Plattform gesammelt und redaktionell aufbereitet. Ein erfolgreiches Geschäftsmodell im Zeitalter von digital verstreuter Informationsflut.
»Unsere Aufgabe ist es, aus der unglaublichen Masse des Angebots im Netz das Empfehlenswerte herauszufischen«, so Udo Raaf, Gründer von Tonspion.de. Eine lieblos zusammengestellte Linksammlung hat seiner Ansicht nach keine Erfolgschancen. »Man muss den Leuten darüber hinaus einen Mehrwert bieten und ihnen Lust machen, wiederzukommen.« Das Konzept scheint aufzugehen, im Monat verzeichnet die Website etwa 100.000 Besucher. Mehrfach wurde Tonspion.de für den Grimme-Online-Award für publizistische Qualität im Internet nominiert.
Die musikalischen Entdeckungen werden den Genres Rock, Pop, Electro, Hip Hop, World, Silence, Klassik und Hörbuch zugeordnet. Wer sich als registrierter Nutzer ein Profil auf Tonspion.de anlegt, wird entsprechend seiner Stilpräferenzen oder Lieblingskünstler über Neuigkeiten auf der Website informiert. Für jeden Besucher bieten sich die Optionen, Kommentare zu den verlinkten MP3-Dateien zu verfassen, einen RSS-Feed zu abonnieren oder die aufgerufenen Songprofile direkt in verschiedenen Social-Bookmarking-Diensten abzuspeichern. Tonspion.de präsentiert sich zeitgemäß, nahezu die komplette Palette des Web-2.0-Kriterienkatalogs wurde berücksichtigt. Mit einer Ausnahme: Die Auswahl der angebotenen Musikstücke gibt die Redaktion nicht aus der Hand. Sie setzt auf das eigene Know-how, auf das altbewährte Konzept »Qualität vor Quantität«.
So surfen Raaf und seine zahlreichen Mithelfer – freie Autoren mit jeweils eigenem Spezialgebiet – nach dem Motto »Ich sehe was, was Du nicht siehst« durch die digitalen Welten und verlinken die gefundenen Musikstücke auf Tonspion.de, ergänzt durch einen kurzen redaktionellen Beitrag sowie einer Bewertung des Songmaterials. Darüber hinaus werden die Musikvideos zu den angebotenen Tracks integriert, sofern diese bei YouTube hochgeladen wurden und somit in den eigenen Webauftritt eingebettet werden können. Außerdem verweist die Redaktion auf Konzerttermine und künstler- bzw. musikbezogene Weblogs, so dass dem multimedialen Angebot ein umfassendes Informationspaket beiliegt. Auf der Startseite befindet sich zusätzlich ein News-Bereich mit aktuellen Meldungen aus der Musikbranche.
Ein einfaches, aber erfolgreiches Geschäftsmodell: Die Tatsache, dass zahlreiche Musiker bzw. Plattenfirmen Songs zu verschenken haben, um auf ihre verschiedenen Projekte aufmerksam zu machen oder die Fans mit exklusiven Tracks zu beglücken, diese aber über das Internet verteilt und deshalb nicht immer leicht zu finden sind, begründet das Erfolgspotenzial der zentralen Sammelstätte für kostenlose MP3-Dateien im Internet. »Ich habe selbst zehn Jahre lang Musik gemacht und von daher hat sich diese Idee auch entwickelt, weil man als Newcomer wenige Möglichkeiten hatte, sich Gehör zu verschaffen. Damals gab es ja nur Radio und vielleicht MTV, aber das war’s dann im Grunde. Den Rest musste man sich über Live-Konzerte erspielen. Durch das Internet hat sich da natürlich viel geändert, so dass man jetzt auch an sein Publikum herankonnte«, weiß Raaf zu berichten.
Dass das Herunterladen von Musik aus dem Internet für immer mehr Menschen eine beliebte Freizeitbeschäftigung darstellt, ist mittlerweile sogar bei den Entscheidungsträgern in der Musikbranche angekommen. Stetig wächst das Angebot von digitalem Audiomaterial – kostenpflichtig wie kostenfrei. Diese Entwicklung sah der gebürtige Stuttgarter Udo Raaf bereits 1999 voraus. Begeistert von der Möglichkeit, MP3-Dateien problemlos aus dem Netz herunterladen zu können, begann er, die Links zu interessanten Downloads auf einer Website zu sammeln und zu besprechen. »Wenn man so will, war der Tonspion der erste MP3-Blog«, erklärt Raaf. »Damals hat das Thema MP3 gerade erst angefangen, in den Medien stattzufinden. Napster wurde zu der Zeit gegründet, es war einfach Zeit dafür, dass es so etwas gibt.«
In den vergangenen zehn Jahren entwickelte sich Tonspion.de von der privaten Website eines Musikliebhabers zu einer etablierten Online-Plattform mit einem umfangreichen Angebot an Verweisen auf kostenlose MP3-Dateien. Dass sich darunter natürlich nicht die Top Ten der aktuellen Charts befinden, muss wahrscheinlich nicht erst erwähnt werden. Diese können jedoch bei dem Kooperationspartner 7digital, einem kostenpflichtigen Anbieter von digitaler Musik, eingekauft werden. 7digital stellt auch einen Player mit Hörproben der Alben präsentierter Künstler zum Abruf bereit. Dessen ungeachtet leistet das Redaktionsteam von Tonspion.de vielmehr Orientierungshilfe dabei, die an ganz unterschiedlichen Orten im WWW platzierten legalen MP3-Dateien ausfindig zu machen, indem sie auf einer Online-Präsenz zusammengeführt werden. Ein vergleichbares Konzept setzten auch die Macher des (wlp)° – the world lecture project um. Ihre Intention ist es, das wachsende Angebot an Audio- und Videovorlesungen im Internet in Form eines zentralen Linkverzeichnisses systematisch zu strukturieren. Als Non-Profit-Initiative. Tonspion.de dagegen strotzt vor kapitalstarken Werbekunden wie Amazon.de oder Saturn. Sie sind käuflich, das geben sie auf ihrer Website offen zu, nichtsdestotrotz inhaltlich unabhängig. Und wer sich mit Tonspion.de auseinandersetzt, merkt schnell, dass hier echte Musikliebhaber zugange sind, die sich ernsthaft mit dem Songmaterial beschäftigen, das ihnen im Netz über den Weg läuft.
Das Konzept ist bis ins Detail durchdacht, Tonspion.de ist ein Full-Service-Angebot für Musikinteressierte mit dem Anspruch, einen Weg durch den unüberschaubaren Musikdschungel im Internet aufzuzeigen. Raaf: »Vernetzung ist das Zauberwort!«
Weitere Infos gibt es hier: Homepage von Tonspion.de