5. Semester: Studienprojekt
Von: Sarah Siebelist | 23. 10. 2008… und was es mit der DMI und dem Campus Finkenau zu tun hat.
Für alle I’s aus der DMI steht im fünften Semester das Studienprojekt, als die größte Baustelle des Halbjahres, auf dem Zettel. Mit zwölf Semesterwochenstunden erfordert es mehr Präsenzzeit als irgendeine andere Studienveranstaltung. Mit den zu ergatternden 18 Credit Points (das sind zwei mehr als man für die Bacherlor Thesis bekommt) beträgt der angesetzte Workload insgesamt 540 Stunden. Das sind 22 Tage und ein halber – pure Arbeitszeit. Zumindest nach dem Modulhandbuch. Schließlich fließt die Note mit einem Anteil von zehn Prozent in die Abschlussnote des Studiums ein. Das allein hört sich schon anspruchsvoll an, ohne dass man überhaupt etwas über die eigentliche Natur des Projekts weiß.
Für das Wintersemester 2008/09 standen sieben unterschiedliche Projekte zur Wahl, die jeweils von einem oder mehreren Professoren konzipiert wurden. Dieses Konzept soll fächerübergreifend und anwendungsorientiert sein, die Studenten methodisch fordern und ihre Problemlösungs- und Projektmanagementkompetenzen vertiefen.
Natürlich kann ich mir über den tatsächlichen Anspruch und studentischen Nutzen der einzelnen Projekte kein Urteil bilden, schließlich haben sie erstens bloß vor Kurzem begonnen und zweitens ohne meine Teilnahme. Was mir aber bei den Beschreibungen auffällt, ist ein Projekt, das sich in einer Hinsicht, zumindest konzeptionell, sehr von den anderen unterscheidet. Weil sich das erst mal nach »alles und nichts« anhört, gibt es zwei Tipps. Das Projekt, das ich meine, erfüllt, mehr als die anderen, folgende Anforderungen, die im Modulhandbuch gestellt werden:
»Nach erfolgreichem Abschluss des Projektmoduls sind die Studierenden in der Lage, die Begrenzung der einzelnen Studienfächer zu erkennen und eine fachübergreifende Sichtweise zu entwickeln.«
»Die Studierenden können nach erfolgreicher Teilnahme am Studienprojekt interdisziplinär und ganzheitlich zusammenarbeiten.«
Wem die Inhalte der aktuellen Studienprojekte nicht geläufig sind, der findet kurze Beschreibungen der Konzepte und Anforderungen jedes Projekts in den unten stehenden Klappboxen.
Darunter auch dasjenige, von dem ich hier spreche: dem Kindermedienportal und der dafür geplanten Kooperation mit Studenten eines anderen Departments, den Illustratoren aus der Armgartstraße. In Anbetracht der Tatsache, dass eine solche interdisziplinäre Zusammenarbeit bei nur einem der Projekte vorgesehen ist, ist es auch kein Wunder, dass die Einigkeit der Fakultät DMI bisher nur Wunschdenken oder Marketingaussagen entspricht. Manch einer will vielleicht widersprechen: »Sind wir einmal zusammen auf dem Campus Finkenau, wird alles einfacher«. Aber nur aus dem Grund, weil etwas einfacher geworden ist, wird es trotzdem noch lange nicht gemacht. Gebraucht wird doch die Lust der Lehrbeauftragten, miteinander zu kooperieren. Wenn diese Lust da ist, warum sollte sich dann nicht auch bei weiter voneinander entfernten Departmentstandorten etwas verwirklichen lassen? Heutzutage werden Beziehungen über Ozeane hinweg geführt, Unternehmen auf einer Halbkugel von einem Unternehmen auf der anderen Hälfte übernommen. Man muss nur wollen.
Und wie – zu guter Letzt – sollen Studenten eine »fachübergreifende Sichtweise entwickeln« und »interdisziplinär und ganzheitlich zusammenarbeiten«, wenn sie mit anderen Fächern und Disziplinen gar nicht in Berührung kommen? Viele Absolventen des Departments Information werden später im Berufsalltag mit Designern und Technikern zu tun haben. Sicher können sie Strategien für den Umgang mit den Kommunikationshürden und fachlichen Differenzen, die dabei aufkommen, am besten in Studentenjobs kennen lernen. Andererseits sind wir doch die Hochschule für Angewandte Wissenschaften, und Angewandte Wissenschaften sind eben auch kooperierende Wissenschaften. Was würde sich also besser dafür eignen, die Kooperation ins Studium zu integrieren, als das Studienprojekt im fünften Semester?
BIM Navigator
Für den HAW-Navigator, eine virtuelle Studienberatungs-Website der HAW, sollen die Seiten für den Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement konzipiert und erstellt werden. Mit Texten über die Studieninhalte, Anforderungen und Berufsaussichten sowie Videos mit Studenten und Alumnis soll ein ausführlicher Einblick in das Fach gegeben werden. Mit zusätzlichen Übungen und Selbsttests sollen die Studieninteressierten ihre Eignung realistisch selbst einschätzen können.
Virtuelles Fernsehmuseum Hamburg II
Das im Aufbau befindliche virtuelle Fernsehmuseum, analog Filmmuseum Hamburg, soll fertig gestellt werden. Neue Inhalte sollen redaktionell aufbereitet werden, bestehende Inhalte auf urheberrechtliche Korrektheit geprüft werden. Interesse an der Fernsehgeschichte, die Bereitschaft zur Recherche in Archiven und bei Zeitzeugen, Kenntnisse über das Erstellen von Websites und Multimediaangboten und den Aufbau von Datenbanken sind Voraussetzung für die Mitarbeit am Projekt.
DokZentrum ansTageslicht.de
Das »Dokumentationszentrum Couragierte Recherchen und Reportagen« unter der Domain anstageslicht.de dokumentiert journalistische Arbeiten, die herrschende Missstände für das öffentliche Interesse aufdecken, und deren längerfristige Folgen. Neben den originalen Beiträgen sollen auch Hintergrundinformationen bereitgestellt werden, zum Beispiel über die Ursprünge der Stories, den Rechercheweg, die Entwicklungen nach der Veröffentlichung und wer die beteiligten Akteure und die darüber berichtenden Journalisten sind.
elektrA
Die Teilnehmer am Projekt elektrA arbeiten unmittelbar an der Einführung einer elektronischen Aktenführung (Records Management) an der HAW mit. Zu den stark wissensorganisatorisch geprägten Aufgaben gehören der Entwurf eines aufgabenorientierten Aktenplans, Vorschlag für ein Rollenkonzept zur Steuerung und Kontrolle von Aktenzugriffen, prototypische Implementierung dieser Ergebnisse in einem Record Management System sowie die Erstellung einiger Workflow-Szenarien für Schulungszwecke.
Die Marke CSB
Für das Centrum für Schlaganfall-Forschung Berlin (CSB) soll eine Dachmarke und Kommunikationsstrategie entwickelt werden. Der Informationsbedarf der Klientel der Berliner Schaganfallallianz und Publikumsmedien muss verständlich gedeckt, die komplexe Struktur des CSBs transparent gemacht werden. Darüber hinaus soll die Marke des CSBs die Qualität eines Prädikats für die im CSB vernetzten Einrichtungen und WissenschaftlerInnen entfalten und sich klar von Netzwerken mit ähnlichem Profil unterscheiden.
PR für die AG Hochschulpressestellen
Die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Hochschulpressestellen im Jahr 2009 findet in Hamburg statt. Die Projektgruppe ist hauptsächlich für die Realisierung der Tagungs-Website verantwortlich. Von der Konzepterstellung für Design und Informationsarchitektur über die Erarbeitung der redaktionellen Inhalte bis hin zur Umsetzung als funktionierende Website. Darüber hinaus kann optional an Tagungszeitungen, Info-Material und der Planung eines der Abendevents gearbeitet werden.
Kindermedienportal
Ziel ist die Konzeption einer Kinder-Website, die Sechs- bis Zehnjährige spielerisch an ihre kreativen Möglichkeiten im Internet heranführt. Der Webauftritt ist als eine Art multimediales Pendant zum KrickelKrakelBuch, einem Projekt von Illustrationsstudenten der DMI, geplant. Die Projektteilnehmer sollen in Kooperation mit den Illustratoren ein Konzept entwickeln, das zum Semesterende bereits interessierten Verlagen vorgestellt werden soll, die daraufhin über ihre finanzielle Beteiligung an der Weiterführung entscheiden.
[Oktober 2008]

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