Verlage verzweifelt
Von: Holtz und Siebelist | 20. 07. 2008Immer mehr Käufer, so eine aktuelle Studie*, wünschen sich die Zeitschriften, die sie lesen, alternativ in digitaler Ausgabe. Nicht nur im Internet, auch auf dem Handy oder als E-Paper, möchten interessierte Leser ausgewählte Informationen konsumieren. Zahlen möchten die Befragten weniger, deutlich weniger als für gedruckte Ausgaben, am besten nichts. So gerät das traditionelle Geschäftsmodell der Zeitschriftenverlage zunehmend ins Wanken. Bewährte ökonomisch ertragreiche neue Lösungen gibt es wenige bis keine.
Eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) erzählt nun von den Wünschen der Menschen auf diesem Globus, dass sich rund 60 Prozent der Zeitschriftenleser eine digitale Ausgabe zumindest als eine Ergänzung wünschten. Eine Entwicklung, die den traditionellen Medienhäusern das Fürchten lehrt und zu neuen Geschäftsmodellen zwangsläufig anregt. Für die Verlage, die seit Längerem bemüht sind, Personalkosten zu minimieren und Effizienz zu steigern, eine ernsthafte Herausforderung, da die Konsumenten für digitale Inhalte weniger auszugeben bereit sind als für gedruckte Zeitschriften. Eine Möglichkeit sind die Online-Werbeeinnahmen. Doch schreckt zu viel Werbung den Leser im Internet ab. Aufspringende »Pop-Ups« auf Webseiten werden als lästig empfunden. Gleichzeitig würde nur etwa jeder fünfte für ein digitales Magazin Geld bezahlen, um Werbung zu entgehen.
Die Süddeutsche Zeitung hat als einer der ersten Verlage ihr Angebot durch einen Online-Shop erweitert, in dem Filme-, Musik- oder Buch-Reihen das Verlagsprogramm ergänzen. Andere ersetzen gedruckte Magazine durch digitale Ausgaben. Nicht jeder kauft seine Lieblingszeitschrift auch dann, wenn sie nur noch in digitalem Format erhältlich ist. Die Vorlieben der Konsumenten hängen den Angaben der Studie zufolge auch von der nationalen Herkunft ab. In China, Indien oder Russland habe man demnach weniger ein Problem damit, auf dem Handy-Display oder dem Monitor zu lesen. Die Deutschen und Niederländer seien dazu weniger bereit. In den USA sei es gerade die Hälfte der Leser, die einer Zeitschrift die Treue halten, erscheint diese plötzlich nur noch digital. Für eine Handy-Zeitschrift würden Leser der Studie nach durchschnittlich nur noch ca. ein Drittel vom Originalpreis der Druckversion zahlen wollen. Etwas mehr wäre man bereit für ein E-Paper aufzubringen. Junge Leser unter 15 Jahren ziehen laut der Studie (»The medium is the message – Outlook for Magazine Publishing in the Digital Age«) digitale Zeitschriften den gedruckten Exemplaren vor. Die Käufer würden jedoch für ein elektronisches Magazin gerade halb so viel wie für Druckversionen ausgeben wollen.
Dass die Kombination von gedrucktem Titel plus digitale Version für die Herausgeber in der Regel noch ein Verlustgeschäft darstellt, hat Gründe: Noch werden digitale Ausgaben von den Printversionen der Zeitschriften in personell aufwendigen Verfahren unterschiedlich zu gestalten versucht. Es heißt, laut Studie würden digitale Zeitschriftenformate bei jüngeren Konsumenten eher auf Akzeptanz und Kaufbereitschaft stoßen. Viel Umsatz bringt diese Tatsache bisher jedoch nicht. Die Zahlungsbereitschaft für Handy-Formate ist nahezu unberechenbar. Eine deutlich erfolgsversprechendere alternative Erlösquelle sind Direktmarketing-Angebote. Der Verlag »Reader’s Digest« beispielsweise verkauft nicht nur Bücher, Musik und Filme im Internet, sondern ist auch im Versicherungs- und Finanzanlagegeschäft aktiv. In Deutschland kann sich immerhin knapp jeder zweite Befragte vorstellen, Shopping-Angebote der Zeitschriftenverlage zu nutzen.
Nicht nur in der Wirtschaft gibt es das Potenzial, die Lösungen zu finden, die sich auch auf dem Mark bewähren werden.
[August 2008]
*HINWEIS: info-parkour.de möchte darauf hinweisen, dass die Motive, Hintergründe oder grundsätzlichen Interessensphären hinter jedweden Studien sowie der genaue Grund ihrer Veröffentlichungen nicht immer auch ersichtlich sind.
Weitere Infos gibt es hier: Website von PricewaterhouseCoopers

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