Praktiker bevorzugt

Von: Marc Alexander Holtz | 17. 08. 2009

hamburg.de ist die offizielle Online-Präsenz der Hansestadt. Die Website präsentiert Informationen zu Kulturangeboten, Karrieremöglichkeiten, dem Wohnungsmarkt, Shopping-Meilen und natürlich den verschiedenen Ämtern der Stadt. Seit Juli 2007 ist Georg Konjovic der Geschäftsführer. Bewerbern stellt er gerne unerwartete Fragen. Worauf er sonst noch Wert legt, verrät Georg Konjovic im Interview mit info-parkour.de.

Wie lassen sich Talente von Bewerbern innerhalb eines Bewerbungsverfahrens am ehesten erkennen?

Einen ersten Eindruck vermitteln die Bewerbungsunterlagen. Aus deren Zusammenstellung und Aufbereitung lassen sich schon gewisse Fähigkeiten ableiten. Den wichtigsten Eindruck hinterlässt jedoch das persönliche Gespräch.

In welchem Ausmaß informieren Sie sich im Vorhinein über Ihre Bewerber?

So weit wie möglich. Hierzu gehören auf jeden Fall Google und Xing, teilweise Facebook etc. Es geht hierbei aber nicht um das Herausfinden von privaten Trinkgelagen (die sind irrelevant für unser Bewerbungsverfahren), sondern um weitere Eindrücke vom Bewerber, zum Beispiel gepostete Links, Musikgeschmack etc.

Inwiefern sind die Arbeitszeugnisse früherer Arbeitgeber relevant, worüber können sie Aufschluss geben?

Sehr relevant. Sie geben etwa Aufschluss über die Leistungen eines Bewerbers im Unternehmensumfeld. Es gibt viele Menschen, die als Individuum Bestleistungen erzielen können, aber diese nicht mehr bringen, wenn sie in einem Unternehmen mit gewissen Abläufen integriert sind. Außerdem geben Zeugnisse wichtige Hinweise zu Qualifikationen und persönlichen Skills.

Wie gehen Sie mit Lücken und außerdem mit »Brüchen« im Lebenslauf um bzw. wie lassen sich diese bewerten?

Lücken fallen sofort auf, sind aber nicht zwingend negativ. Im Gegenteil. Eine bewusst gewählte Auszeit zeugt von Reife und Planungssicherheit des Bewerbers. Jede Lücke muss aber erklärt werden können.

Welche Rolle spielt das Foto in der Bewerbungsmappe?

Einfache Regel: Foto ist nicht notwendig, eine Bewerbung ohne Bild wird auch nicht schlechter behandelt als eine mit Bild. Aber wenn ein Bild beigelegt wird, sollte es ein sehr gutes sein. Wer einen »Schnappschuss« beilegt, zeigt, dass ihm nichts an der Stelle gelegen ist.

Welchen Stellenwert rechnen Sie der akademischen Ausbildung im Vergleich zur praktischen Berufsausbildung (oder -erfahrung) ein?

Maximal zehn Prozent. Praktische Erfahrungen machen 90 Prozent aus. In unserem Umfeld brauchen wir Menschen mit Ideen und Erfahrungen aus der Praxis. Ein guter Studienabschluss kann das garnieren, aber nicht ersetzen.

Wie viel Bedeutung teilen Sie der Abschlussnote (Abitur oder Diplom, Bachelor, Magister etc.) eines Bewerbers zu?

Wir fragen bei besonders schlechten und besonders guten Noten nach. Weshalb diese zum Beispiel zustande kamen. Je nach Stelle gibt es natürlich »No-gos«. Wenn jemand sich für ein redaktionelles Praktikum bewirbt, aber im Fach Deutsch stets eine Fünf oder Sechs hatte, werden wir diesen Bewerber trotz eines exzellenten Studienabschlusses nicht einladen.

Es gibt viele Diskussionen über die Bedeutung von Hard-skills im Gegensatz zu jener der Soft-skills. Was wiegt Ihrer Meinung nach schwerer: Hard- oder Soft-skills? Und weshalb?

Lücken bei den Hard-skills kann man schließen durch Weiterbildung, Learning by doing etc. Aber fehlende Soft-skills bleiben ein Leben lang. Insofern sind diese für uns sogar wichtiger.

Welche Inhalte einer Bewerbung sind für Sie die interessantesten (beispielsweise Beweggründe der Bewerbung, sprich Bewerbungsschreiben, Lebenslauf, soziales Engagement etc.) und worauf sollten Bewerber insbesondere bei der Erstellung achten?

Das Anschreiben ist das Klingeln an der Tür. Wenn hier ein Rechtschreibfehler enthalten ist, fliegt der Bewerber ohne Rücksicht auf weitere Fähigkeiten raus. Wenn es offenkundig ein Serienbrief ist, ebenfalls. Wenn Unterlagen wie Zeugnisse fehlen, genauso. Unsere Erwartung ist: Die Unterlagen müssen vollständig sein und nicht häppchenweise eingereicht werden. Bewerber sollten auf keinen Fall mehrere Bewerbungen pro Tag absenden, das »spürt« man als Personaler. Jede Bewerbung muss ein Unikat sein!

Wie stellen Sie sich ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch vor?

Der Bewerber muss sehr gut vorbereitet sein, dazu gehört: früh ins Bett, genug geschlafen, nicht angeschlagen von der letzten Feier. Er/Sie muss sich mit unserem Unternehmen und unserer Arbeit beschäftigt haben, muss die wichtigsten Grundlagen kennen. Er/Sie hat auch alle seine Unterlagen, die er/sie uns geschickt hat, entweder noch einmal dabei oder aber im Kopf und kann sofort Rückfragen beantworten. Er/Sie ist selbstverständlich pünktlich, das heißt maximal fünf Minuten vor oder maximal fünf Minuten nach der vereinbarten Uhrzeit hier, aber bitte nicht eine halbe Stunde vorher/nachher. Außerdem antwortet der Kandidat im Gespräch bitte möglichst natürlich und »locker«. Keiner will Quasi-Zitate aus Lehrbüchern hören, sondern die Meinung des Kandidaten. Der Kandidat muss außerdem gefasst sein auf unerwartete Fragen, zum Beispiel zu seinen Hobbys oder wie doch gleich diese bekannte, unfertige Kirche von Gaudí in Barcelona heißt (Beispiel einer Frage aus einem Gespräch mit einer Bewerberin, die ein Jahr in Barcelona arbeitete).

Gibt es No-gos innerhalb eines Bewerbungsverfahrens (die Sie dennoch immer wieder erleben!)? Was sollte man tunlichst unterlassen, worauf ist besser zu achten?

Klassisches No-go: sich nicht mit uns beschäftigen. Wer auf die Frage »Sie haben sich ja unsere Website angesehen …« mit »Nein, äh, leider nicht …« antwortet, spart sich am besten die Fahrkarte für die U-Bahn und uns die Zeit. Außerdem: Schreibfehler in Dokumenten, 08/15-Anschreiben und keine Fragen fürs Gespräch vorbereitet (außer zur Arbeitszeit und zum Urlaubsanspruch).

Schalten Sie Stellenanzeigen im Internet? Wenn ja, wo? Können Sie gute Beispiele von Stellenbörsen im Internet nennen?

Wir schalten ausschließlich online, zum Beispiel bei uns selbst auf der Seite, beim Stellenwerk Hamburg, bei Xing und manchmal bei Monster/StepStone.

Über welche Kanäle betreiben Sie Ihr Recruitment außerdem?

Direkte Kontakte, Twitter, Corporate Blog.

Wie gehen Sie mit Bewerbungen um, wenn aktuell keine freien Stellen zu besetzen sind?

Wir sagen dem Bewerber entsprechend ab. Bei besonders interessanten Profilen bitten wir um Erlaubnis, die Unterlagen aufbewahren zu dürfen, falls einmal Bedarf besteht.

Für welche Unternehmensbereiche bzw. Tätigkeitsfelder vermuten Sie zukünftig den größten Personalbedarf?

Sales.

Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Infos gibt es hier: Homepage von hamburg.de ; Stellenangebote von hamburg.de

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