Kempertrautmann, Beruf: Texter.

Von: Ingo Eggert | 15. 01. 2009

Michael Götz ist Texter bei Kempertrautmann. Die Agentur ist dem Otto-Normal-Verbraucher unter anderem bekannt durch ihre »Du bist Deutschland«-Kampagne oder die Media-Markt-Werbespots mit dem Komiker Olli Dittrich. Unter den deutschen Kommunikationsagenturen behauptet sich Kempertrautmann erfolgreich neben Konkurrenten wie Jung von Matt, Scholz & Friends oder TBWA. Im Interview mit info-parkour.de erzählt Michael Götz vom Einstieg in die Profi-Liga, von guten Ideen und darüber, was Anfänger sich nicht leisten sollten: ein großes Maul. Ein Interview.

Was hat Dich motiviert, als Werbetexter zu arbeiten?

Wenn Du am Ende des Tages mal eine Idee hast, dann hast Du ein Kribbeln. Du legst zehn Ideen hin. Fünf sind ganz gut, die kann man gut machen. Vier sind nicht so toll. Aber bei einer kribbelt es. Du weißt schon im Vorfeld: Die wird es. Es ist unglaublich befriedigend, am Ende des Prozesses Deine fertigen Anzeigen in Magazinen und Zeitschriften zu sehen. Werbetexter ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Das gefällt mir.

[Printarbeit: Michael Götz | Agentur Kempertrautmann]

Womit muss man lernen umzugehen? Gibt es bestimmte Dinge, die einen in der Anfangsphase schwer fallen könnten?

Du wirst viel kritisiert. Du lebst mit Kritik. Gerade am Anfang ist es frustrierend zu hören, dass es diese und jene Deiner Ideen nicht bringen. Du bekommst Selbstzweifel. Jeder hat Phasen, da läuft es mal zwei oder drei Monate super, alles geht Dir leicht von der Hand. Und dann läuft es nicht so. Aber das wissen auch Deine Chefs. Es gibt viele Berufe, da braucht der Chef mehrere Monate, um einschätzen zu können, was Du drauf hast. In meinem Job hast Du zwei bis drei Meetings am Tag. In denen musst Du deine Idee präsentieren. Wenn Du in zehn Meetings nie etwas dabei hast, dann sieht er nach einer Woche, ob es läuft oder nicht. Gibt es neben Dir einen anderen Texter, der immer gute Ideen präsentiert und punktet, ist das immer auch ein gewisser Druck, den Du hast. Das ist auf der einen Seite gut, sonst gibst Du auch nicht das letzte Quäntchen Gas, um gut zu sein. Auf der anderen Seite ist es manchmal auch anstrengend.

Wie hast Du den Einstieg in die Branche geschafft und wie bist Du zu Kempertrautmann gekommen?

Ich habe eine Diplomarbeit geschrieben über Humor in der Werbung und dafür André Kemper (Geschäftsführer von Kempertrautmann) am Telefon interviewt und noch neun andere Top-Werber. Kemper nahm sich eineinhalb Stunden Zeit für mich und fand die Diplomarbeit toll. Am Ende fragte er mich, was ich später machen wolle. Ich sagte: »Texter«. »Hervorragend«, meinte Kemper, »stell Dich doch mal bei uns vor, wir suchen eh gerade Leute.« Nach Ende meines Diploms kam ich nach Hamburg, stellte mich vor und bekam ein zweimonatiges Praktikum. Danach hieß es top oder flop. Am Ende konnte ich bleiben und bin immer noch dabei.

Hast Du Tipps für Interessierte, die auch den Beruf des Werbetexters ergreifen möchten?

Mein Tipp: Den Einstieg in die Branche ruhig direkt über eine Agentur zu probieren und nicht über die Texterschmiede. Wenn es nicht klappt, kann man immer noch zur Texterschmiede. Berufseinsteiger/Interessierte brauchen ein dickes Fell. Das ist Fakt. Sie müssen damit zurechtkommen, viel zu arbeiten. Sie müssen sich auch definitiv fragen, haben Sie Lust darauf oder nicht. Auch wenn Du denkst, dass Du ein kreativer Typ bist: Halt die Pferde ruhig. Erst bei Agenturen wie Kempertrautmann und Jung von Matt siehst Du im täglichen Vergleich, ob Du es auch wirklich bist. Dort sind die, die nicht nur Lust haben, kreativ zu sein, sondern es auch sind.

Wie sollte man sich der Branche nähern?

Geh’ sehr bescheiden in die Branche rein, alles andere ist schlecht. Großmäuler werden, meiner Meinung nach, sehr schnell entlarvt. Erst wenn Du dich im Alltag beweist und nicht einmal in 100 Jahren ’ne gute Idee hast, sondern immer und immer wieder gute Ideen bringst, sieht man, ob es reicht. Ein guter Tipp ist vielleicht noch: Wenn Du in die Werbebranche willst, musst Du vorher klarstellen, was Du willst. Willst Du ein bisschen Kreation machen, Werbung machen oder hast Du wirklich das Ziel, gute Werbung zu machen? Fang’ nicht an, in eine schlechte oder mittelmäßige Agentur zu gehen. Die hohe Schule findest Du bei großen Agenturen wie etwa Jung von Matt, Springer und Jacoby, DDB und auch Kempertrautmann.

Wie ist denn die Situation auf dem Markt?

Wenn Du bei den großen Agenturen warst, nimmt Dich später jede kleine oder mittelständige Agentur mit Handkuss. Aber wenn Du zuerst bei einer mittelständigen warst und nur lernst, wie Du kleine Brötchen bäckst, wird es später ganz schwer, in eine größere Agentur zu kommen wie Jung von Matt. Außer: Du bist wirklich exorbitant gut. Alles andere ist Mount Everest ohne Sauerstoffgerät. Die meisten scheitern dran, von ganz unten nach ganz oben zu wollen. Dann lieber versuchen, gleich ganz oben einzusteigen und dann langsam wieder runterrutschen. Ich habe es hautnah an Leuten gesehen, mit denen ich zusammen studiert habe. Es ist später wirklich sehr, sehr schwer, noch in eine große Agentur zu kommen.

Die Werbebranche ist eine sehr schnelllebige …

Die Fluktuation in der Branche ist sehr groß. Jeder kennt jeden. Und man greift sich die Leute aus den Agenturen, die man kennt. Kempertrautmann würde nie nach neuem Personal in beispielsweise Lübeck gucken, sondern explizit bei Kreativagenturen in Hamburg, Berlin oder Düsseldorf. Mit Abstrichen Frankfurt.

An welcher Kampagne arbeitest Du momentan?

Audi, Deutsche Tourenwagen Meisterschaft (DTM). An einer Ankündigungsanzeige und einer Siegesanzeige. Die Idee ist: »Audi freut sich auf das nächste Rennen in Hockenheim« und falls Audi gewinnt, eben auch eine Anzeige, die sie einsetzen können, um den Sieg zu feiern. Für den Job hatten wir zehn Ideen. Ich fand nicht alle toll, aber ein paar davon wunderbar. Die sind jetzt alle weg. Deshalb sitz’ ich auch heute wieder dran. Von zehn Arbeiten sind zehn weg. In diesem Fall macht das einen Schnitt von »100 Prozent Tonne«. So ist das eben. Du arbeitest so viel für die Tonne. Aber das darf dich nicht fertig machen. Du musst lernen, damit umzugehen.

Was ist wichtig, um voranzukommen?

Wenn man es geschafft hat und als Werbetexter arbeitet, sollte man auch immer mal wieder zu seinem Creative Director (CD) hingehen und sagen: »Hey, ich habe hier mal ’ne Zusatzidee für Audi beispielsweise gemacht, oder einen lustigen Funkspot geschrieben. Kann man damit etwas machen?« Einsatz zeigen ist ganz wichtig. Man muss vielseitig sein und sich auf unterschiedliche Praktiken einstellen können. Ich habe das erste Jahr an Kampagnen für Media Markt gearbeitet. Das hat auch Spaß gemacht, aber auf Dauer ist der Balla-Balla-Humor sehr einseitig. Deshalb habe ich das Team gewechselt und bin zu Audi gegangen. Für Media Markt zu texten, ist eine ganz andere Sache als für Audi zu texten und in einer Headline reinzukriegen: »Vorsprung durch Technik«. Das sind zwei völlig unterschiedliche Welten. Abschließend: Wichtig sind definitiv Vielseitigkeit, Vielfalt und das Ausprobieren verschiedener Stile.

Die Einstiegsgehälter sind – nach dem, was man so hört und liest – relativ gering. Wie siehst Du die Verdienstmöglichkeiten in der Branche als Texter?

Die Reihenfolge ist so: Junior-Texter, Texter, Senior-Texter und später vielleicht irgendwann Creative-Director-Texter. Zahlen möchte ich nicht nennen. Aber Fakt ist, dass Du am Anfang als Junior-Texter relativ wenig verdienst. Die Sprünge zu nächsten Gehaltsstufen sind aber groß. Mit dem, was ich mittlerweile verdiene, kann man gut leben. Das ist okay. Die nächste und übernächste Stufe, also der Sprung zum Senior-Texter beziehungsweise Creative Director und dessen Gehalt, sind sehr gut.

Vielen Dank für das Gespräch.

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