Kann kein Katalan

Von: Henriette Carla Schrader | 22. 09. 2008

ERASMUS in Barcelona ist nicht gleich ERASMUS in Spanien: Die Regionalregierung unterstützt die katalanische Sprache nach Kräften – auch an Universitäten.

WOHNEN

Sechs Quadratmeter mit Fenster. Das muss für sechs Monate Barcelona ausreichen, das reicht sogar zum Wohlfühlen und Glücklichsein! Auch wenn man aus dem vergitterten Milchglasfenster nur auf den Fahrstuhl im Treppenhaus blickt, ist das kein Grund zu verzagen. Denn mit etwas Geschick und Freundlichkeit bekommt man dafür von seinen katalanischen Hausmitbewohnern einen Schlüssel zur geheimen Dachterrasse mit Blick über die ganze Stadt: auf den Tibidabo-Berg, die Sagrada Familia von Antoni Gaudí, die Columbus-Säule und die Montjuic-Seilbahn. Da bleibt einem die Spucke weg. Und die Sprache auch.

SPRACHE

Ja, die Sprache ist ein spannendes Thema in dieser beeindruckenden Metropole. Katalan – nur ein unbedeutender kleiner Dialekt des Spanischen? Mit dieser Einstellung kommt man in der Hauptstadt Kataloniens nicht weit. Die regionale Amtssprache, eine Mischung aus Spanisch, Französisch und Italienisch, ist präsenter denn je und man sollte sich hüten, sie zu unterschätzen. Im Alltag sowie im Studium.

STUDIUM

Die Fakultät Biblioteconomia i Documentacio ist zu 100 Prozent auf Katalan, auch wenn man mit etwas Glück im Vorlesungsangebot ein Seminar auf Englisch oder Castellano finden kann. Und mit ein bisschen mehr Glück, spricht der eine oder andere Professor aus Rücksicht auf Ausländer im Kurs immerhin den ersten Monat lang das gelernte und vertraute Schulspanisch. Aber wirklich gern tut das kein Katalane.

LEUTE

Wer sich in Katalonien mit dem spanientypischen Stiermotiv schmückt, wird nicht mit offenen Armen von den Einheimischen empfangen. Das katalanische Markenzeichen ist nämlich der Esel, der »burro catalá«. Dieser Anti-Stier verkörpert auch das Anti-Spaniengefühl der Katalanen, die sich vom Osbourne-Stier noch immer angegriffen und an die Zeiten des aggressiven Zentralismus, die Unterdrückung ihrer Kultur und Sprache, erinnert fühlen. An Feiertagen, wie dem katalanischen Valentinstag St. Jordi, sind die Ramblas von Blumen und Büchern überfüllt – besonders mit Lektüre über die »Historia de Catalunya«.

Und spielt bei der Fußball-EM Spanien gegen Schweden, so kann man durchaus einen waschechten Katalanen antreffen, der mit blau-gelber Flagge auf den Wangen das Spiel verfolgt.

[September 2008]

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