Ein Kleid, das kürzer wird, sobald man den Reißverschluss des Kragens öffnet. Eine Halskette, die im Takt des Herzschlages leuchtet. Ein LED-Vorhang, der merkt, wie weit man von ihm entfernt ist – im elften Stockwerk des Departments Informations- und Elektrotechnik gibt es eine Ideenverschmelzung der besonderen Art. »Interactive Design« vereint das Handwerk von Design- und Informatikstudenten. Die Initiatoren, die gleichzeitig das Kernteam des Projekts bilden, sind vier Studenten aus den Departments Design und Informatik. Larissa Müller und André Jeworutzki sind die technischen Köpfe des Teams, Svenja Keune und Ekaterina Ifraimova verpacken das Ganze in phantasievolles Design. Zusammengefügt hat sie Professor Kai von Luck, der, wie sie sagen, überall seine Finger im Spiel hat. 2008 sprach er die Studenten während des Projekts »Ambient Awareness« an und zusammen entwickelten sie die Idee, Objekte und Kleidung zu gestalten, die mit technischem Einsatz mit ihrer Umwelt interagieren.
Sich vorzustellen, was nun hinter diesem »Interactive Design« steckt, wird selbst für Leute mit abstrakten Denkvermögen schwer werden. Die folgenden drei Beispiele sollen Licht ins Dunkel bringen und erzeugen möglicherweise den bekannten »Aha-Effekt«. Dann mal los:
[Fotografie: »Interactive Design«]
An diesem Kleidungsstück sind auf der Brust weiße LEDs integriert. Der Herzschlag des Trägers wird gemessen und durch leuchtendes Pochen der LEDs wiedergegeben.
[Fotografie: »Interactive Design«]
Die Oberfläche dieses Overalls besteht aus Stoffquadern, die Hochhäuser repräsentieren. Im Inneren der Häuserwände sind weiße LED-Streifen befestigt, die für jedes Haus programmierbar sind. Zusätzlich besitzt das Kleidungsstück vorne auf der Brust sechs Infrarotdistanzsensoren. Sobald jemand seine Hand über die Sensoren bewegt, werden bestimmte Areale in der Kleidung auf- und abgedimmt.
Im Sommer 2009 fand ein Workshop mit dem originellen Namen »me and my toaster edwin« statt, an dem Studenten des Design- und Informatikbereichs teilnahmen. In Zweierteams, bestehend aus jeweils einem Designer und einem Informatiker, wurde nicht nur die Interdisziplinarität hergestellt, sondern sogar ein Disziplintausch: Die Designer mussten programmieren und die Informatiker nähen. Damit am Ende alles rechtzeitig fertig wurde, arbeiteten aber alle wieder nach gewohntem Schema. Geklappt hat die Sache Eins-A – zumindest für diesen Workshop.
Auf die Frage, wie es sich denn grundsätzlich mit der Zusammenarbeit von Designern und Informatikern verhält, trat dann doch einstimmiges Schmunzeln auf. Natürlich sind die Probleme der unterschiedlichen Fachsprachen offensichtlich, aber auch das Verständnis füreinander muss aufgebaut werden. Schön dazu war dieses Statement: »Informatiker interessiert wie das funktioniert und was das machen soll. Designer müssen erst mal gucken, ob das hübsch ist. Was für den Informatiker ein Teppich ist, ist für den Designer etwas Abstraktes und braucht keine Bezeichnung.« Durchaus nicht schwer zu erraten, dieser Satz stammt von einem Informatiker.
Beim Entwerfen und Umsetzen von Kleidung und Objekten scheint ein »Idealfall« der Gleichberechtigung zu existieren. Am Prozess der Ideenfindung sollte sowohl der kreative als auch der technische Part gleichermaßen mitwirken – die Assistentenrolle ist von beiden Seiten unerwünscht. Im Realfall ist die Arbeit des Designers anscheinend dominierend. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat und Bedenken von der Technikfraktion laut werden, heißt es »Wo ist das Problem?«. Unterschiedliche Herangehensweisen und Vorstellungen erschweren die Arbeit. Bei den vier Kernteam-Mitgliedern Larissa, André, Svenja und Ekaterina merkt man davon aber nichts: Zusammen machen sie den Eindruck eines starken Teams. Zielorientiert schienen mir dabei nicht nur die Informatiker, sondern alle.
Workshops werden von den Studenten immer mal wieder angeboten, viel für Schülergruppen. Aber auch weitere Angebote für HAW-Studenten werden mit großer Wahrscheinlichkeit folgen. Wenn es soweit ist, werdet ihr selbstverständlich darüber informiert. Die Ergebnisse vieler Kurse werden von den Projektgruppen ausgestellt. Ab dem 23.04.2010 kann man beispielsweise die herrlich unkonventionelle Ausstellung »Romantische Maschinen« aus dem Projektkurs »Smart Objects« bestaunen. Bis zum 29.04. stellen unsere Studenten die interaktiven Objekte aus. Zu finden ist das Ganze im Kutscherhaus im Gängevietel. (LINK zum Flyer)
Im Moment machen sich die vier noch keine ernsten Sorgen um ihre Nachfolge. Dennoch werden Sie irgendwann einmal den Status HAW-Student ablegen müssen. Für diesen Fall freuen sie sich auch jetzt schon, auf interessierte Nasen, die ins Labor gesteckt werden. Nachwuchs und Besucher sind herzlichst Willkommen!
Schaut vorbei im Laborraum 11.60, E&I Gebäude, Berliner Tor 7 oder schreibt eine Mail an info@toasteredwin.de