Schlafen. Vorlesung. Arbeiten. Lernen. Schlafen. So oder so ähnlich sieht der Alltag eines ganz normalen Studenten aus. Der Bachelor fordert viel in kurzer Zeit. Zusätzlich müssen das WG-Zimmer und das Befüllen des Kühlschranks finanziert werden. Auch für ein neues Partyoutfit sollte noch was übrig bleiben. Reicht das Geld nicht aus, wird gejobbt. Aus der Überforderung wird schnell Frustration. Nicht selten kommt es schließlich zum Studienabbruch.

[Fotograf: Sasha Wolff | Quelle: Flickr]
Mitte März feierten die Bologna-Staaten 10jähriges Jubiläum. Während der Konferenz wird immer noch gegen die Umsetzung der Reform protestiert, denn die soziale und akademische Wirklichkeit der Studenten wird oft einfach außer Acht gelassen. Eines der Ziele von Bologna sollte es sein, die Zahl der Studienabbrecher zu senken. Das Gegenteil ist eingetroffen: In vielen Studiengängen ist die Zahl der Abbrecher gestiegen. Auch wollte die Hochschulreform, dass die Studenten möglichst zügig zum Abschluss kommen. Was sie davon haben, ist steigende Überforderung im Studium. Sie ist der häufigste Grund für den Studienabbruch, dicht gefolgt von finanziellen Problemen. Die meisten kennen beides. In der jüngsten HIS-Studie vom Dezember 2009 wurden die Exmatrikulierten befragt – der Bachelor-Blues wird dabei mehr als deutlich. Während 2000 gerade mal 12% wegen Überforderung im Studium abbrachen, waren es 2008 bereits 20%. Finanzielle Probleme sind mit 19 % der zweithäufigste Grund. Der Zusammenhang ist simple Mathematik. Mit dem Nebenjob wird die Ressource Zeit knapper. Straffe Lehrpläne und Prüfungsphasen fordern jedoch mehr Zeit als übrig ist. Also entweder man behält den Job und es folgt Überforderung oder man konzentriert sich aufs Studium und hat dann finanzielle Probleme. Was für eine Wahl!
Die 18. Sozialerhebung des deutschen Studentenwerkes stellt fest: Zwei Drittel aller Studenten arbeiten nebenher, in Hamburg waren es 2007 sogar 76%. Auch viele unserer Studenten kennen das Leben zwischen Studium und Job.
Alexander Hansen arbeitet nebenher, mehr aus Überzeugung als aus Geldnot: »Ich arbeite seit dem 2. Semester neben meinem Informatikstudium als Entwickler in einer Webagentur und war vorher sporadisch als Freiberufler unterwegs. Hauptsächlich, weil ich die Möglichkeit dazu habe, nötig hätte ich das Geld eigentlich nicht. Mein Studium hat darunter zeitweise ziemlich gelitten, zeitweise habe ich drei Tage die Woche gearbeitet. Rückblickend hat es sich aber definitiv gelohnt, ich stehe kurz vor dem Abschluss und starte mit viel Erfahrung ins Berufsleben.«
Lydia Bartsch studiert Soziale Arbeit im 4. Semester und kennt die Probleme eines Nebenjobs: »Da bei einem Aushilfsjob immer Flexibilisierung gefordert ist, sind unweigerlich Abstriche bei der Vor- und Nachbereitung der Uniaufgaben zu machen. Gerne hätte ich mich mehr mit fachspezifischen Themen beschäftigt. Deshalb bin ich froh, dass ich auf keinen Job mehr angewiesen bin und mir meine Eltern ein angenehmes Lernen ermöglichen und ich mich dieses Semester voll und ganz auf mein Studium konzentrieren kann.«
Ohne ihren Job hätte Vanessa Baaske nicht studieren können: »Ich hatte immer einen Job neben dem Studium. Diesen musste ich (leider) auch immer haben. Ohne wäre es einfach nicht gegangen. Geldmäßig hat es mich beflügelt, aber mein Freiraum wurde dadurch immer eingeschränkt. Meine Empfehlung: Immer versuchen einen Nebenjob in der Branche zu finden, in der man auch arbeiten möchte. Der macht dann meist auch richtig Spaß.«
Fakten zum Studentenjob:
Sind die Verdienste aus Nebenjobs höher als 8.004 Euro im Kalenderjahr wird das Kindergeld gestrichen.
BAföG-Empfänger dürfen, umgerechnet auf 12 Monate, nicht mehr als 401,50 Euro im Monat verdienen.
Ab 1848 Euro im Kalenderjahr wird der steuerliche Ausbildungsfreibetrag der Eltern gemindert.
Beratung zum BAföG gibts im AStA bei Peter Meier (Mittwoch 9:30 – 13:15 Uhr und 13:45 – 16:00 Uhr). Alles Wissenswerte zum Thema Stipendium inklusive der neuen Stipendium-Datenbank findet ihr hier: stipendienlotse.de. Und interessante Jobs gibt es in der info-parkour Stellenbörse!
Weitere Infos gibt es hier: BAföG-Beratung (AStA)