Leben

Warum taucht sie immer wieder auf – die F-Frage?

Veröffentlicht am 25. November 2008

Die Illustratorin und Comiczeichnerin Claire Lenkova ist Absolventin der Armgartstraße, sprich, sie studierte am Department Design der Fakultät für Design, Medien und Information (DMI). Publikationen wie der SPIEGEL oder die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung veröffentlichen ihre Werke. Sie führt kein besonderes Interesse an schönen und anständigen Bildern. 2004 gründete sie mit anderen Zeichnerinnen die Spring-Gruppe, bestehend »nur« aus Zeichnerinnen. Diese produzieren jährlich einen Sammelband. Inhalt: was sie eigen und gut finden.

Als ich noch eine ganz kleine Claire war, fand ich’s am begreiflichsten, meine Meinung in Bildern der Welt mitzuteilen, die aus Eltern und Spielkameraden bestand. Niemand fragte, warum ich zeichnete.

Dann in der Schule zeichnete ich gegen andere an und gewann. Man malte meine Bilder aus und saß in der Pause ruhig an seinem Platz. Mutig geworden, verkaufte ich gezeichnete Comic- und Rätselhefte für fünfzig Pfennig. Niemand fragte, warum ich zeichnete. Höchstens, warum sie so teuer seien …

Es kam die Jugend und mit ihr die Frage nach dem Sinn, die viele in dieser Zeit überfallende Vorliebe für Renoir und Klimt, ein Kasten Ölfarben und die Forderung des christlichen Umfelds, nur schöne und anständige Bilder zu malen. Heimlich zeichnete ich Schlimmes mit meinem Bruder.

Man fragte, ob ich mich nicht mehr engagieren könnte in der christlichen Gemeinschaft. Ob ich etwa schon geraucht hätte oder nach »weltlichen« statt christlichen Jungs schauen würde. Ich aber schaute nur nach einer Schule, an der ich endlich unter zeichnenden Menschen sein würde. Ich kam an diese Schulen, erst in Würzburg zum Gestaltungsfachabitur, dann in Hamburg zum Studieren. Da waren Dozenten wie Anke Feuchtenberger, Atak und Bernd Mölck-Tassel. Alle schräg dort, die Studenten, die Dozenten. Jeder zeichnete, malte, gestaltete, wurde Teil meiner kleinen Ersatzfamilie.
Ich zeichnete weiterhin Bildergeschichten, begann auszustellen.

Ein paar Zeichnerinnen und ich gründeten 2004 die Spring-Gruppe, die alles zwischen Comic, Illustration und freier Kunst in einem dicken Heft bündelt, was sie eigen und gut findet. Seit 2004 jedes Jahr ein solches Buch, ein Sammelband zu einem Thema. Nur Frauen. Comiczeichner gab es ja genug. Und die hatten auch ihre eigenen Hefte mit Titten, Action und Superhelden. Das waren nicht unsere Themen. Wir würden »Frauenthemen« bedienen, wie wir später über uns lasen. Frauenthemen? Und da kam sie, die F-Frage: Warum zeichnen Frauen überhaupt Comics?

Ich war überrascht. Keine Frage zu den Beiträgen? Man will wissen, warum Frauen Comics zeichnen, als ob das unnatürlich, neu oder unerhört wäre? Ich wusste keine Antwort. Zum ersten Mal fiel mir überhaupt auf, dass man aus der Tatsache, dass es Männer und Frauen gibt, ein Problem machen kann. Dass man zwischen die Geschlechter eine Mauer ziehen und diese dann befragen kann. Da bekommt man keine Antwort, kaut nur das Echo wieder … Muss ich nun eine Feministin werden? Nein, muss ich nicht. Ich bin eine Zeichnerin und würde auch zeichnen, wenn ich als Junge oder Kaninchen geboren worden wäre.

Die Spring-Gruppe

Spring ist eine Zeichnerinnengruppe hauptsächlich aus Hamburg und Berlin, die seit 2004 jährlich einen gleichnamigen Sammelband herausgibt und mit einer Ausstellung in Hamburg und Berlin feiert. Dabei wird für jede Ausgabe ein neues Thema gesucht und bearbeitet. Erschienen sind bisher: Spring #1 »Nachstellungen« (ausverkauft), Spring #2 »Wandlungen«, Spring #3 »special places«, Spring#4 »Garten Eden« und Spring#5 »Alter Ego«, einzeln, als Sammelpakete oder im Abonnement zu beziehen über www.spring-art.info oder in ausgewählten Buchhandlungen.

Diese Antwort muss reichen. Weiter zu den Beiträgen bitte.

[November 2008]

Weitere Infos gibt es hier: Homepage von Claire Lenkova

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