Lange vor Blogs, Suchmaschinen und Foren, noch bevor Sir Tim Berners-Lee uns Webbrowser und Websites bescherte und sogar vor der Entstehung des Internets an sich gab es E-Mail. Als Bestandteil des ARPANET (die Ursuppe, aus der sich später das Internet erheben sollte) erblickte die Mail vor knapp 40 Jahren das Tageslicht.
Während Microsoft im Moment mit Bing einen weiteren halbherzigen Versuch unternimmt, das Suchmaschinenmonopol von Google anzukratzen, haben sich die nimmersatten Informationssammler aus Mountain View vorgenommen, dem dienstältesten Service des Netzes, der Mail, einen würdigen Nachfolger zu bescheren. Herausgekommen ist dabei »Google Wave«. Entwickelt von den Brüdern Rasmussen, die auch schon für Google Maps verantwortlich zeichneten, wirkt das Ganze zuerst nur wie eine weitere Web-2.0-Anwendung à la Twitter oder Google Mail. Tatsächlich vereint Wave so ziemlich alle Konzepte des Web 2.0 in einem Dienst. Es ist E-Mail-Account, Instant Messenger, Blog, Forum und Medien-Hoster in einem.
Damit stellt Wave die konsequente Weiterentwicklung dazu dar, wie wir heutzutage gewohnt sind zu kommunizieren. Vielleicht ergibt sich daraus sogar eine Möglichkeit, die vorherrschende Kommunikationsflut einzudämmen, wie es einst die Google-Suchmaschine mit der Informationsflut im Web getan hat. Denn Google stellt, wie bei den meisten seiner Angebote, Programmschnittstellen zur Verfügung, damit externe Entwickler Wave in ihre Anwendungen einbinden oder weiterentwickeln können.
Das wirklich Besondere aber ist, dass Wave als freies Protokoll ausgelegt ist. So können auch andere Anbieter unabhängig von Google Wave-Dienste anbieten. Eine Voraussetzung, damit Wave tatsächlich als neue Kommunikationsform und als legitimer Anwärter auf die Nachfolge von E-Mail bezeichnet werden kann.
Natürlich spekuliert Google darauf, dass die meisten Wellen über Google-eigene Server laufen werden, was die weltgrößte Werbeagentur wieder ein Stück enger mit den Gedanken- und Ideenflüssen der Menschheit verknüpfen wird. E-Mail seinerzeit ist von Wissenschaftlern zur Kommunikation über die frühen Forschungsnetzwerke eingeführt worden und nicht auf Bestreben eines internationalen Konzerns. Diese haben, aller Philanthropie zum Trotz, letztendlich merkantile Interessen im Auge.
Am 30. September 2009 wird Google die Welle für weitere 100.000 Nutzer zu Testzwecken freigeben und gegen Ende des Jahres schließlich uneingeschränkt der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Weitere Infos gibt es hier: Homepage von Google Wave ; Wikipedia (Artikel über Google Wave) ; Weblog von Google (Artikel über Google Wave) ; Homepage des Wave-Protokolls