Leben

Ein bisschen Bremen

Veröffentlicht am 17. Juli 2009

An der Uni Bremen wurde eine ganz wunderbare Kaffeemaschine entwickelt. Sie kann acht Sorten Kaffee und sprechen. Sie kann auf mündliche Anfrage des geneigten Kaffeetrinkers bei der Auswahl zwischen den acht Sorten helfen, Auskunft über Mitarbeitertelefonnummern und Wegbeschreibungen zu Büros geben und weiß außerdem auch noch, wann die nächste Bahn fährt.

Welcher Student des Departments Information muss angesichts dieser Erfindung nicht an den Turm der fallenden Scheiben denken und die dort ansässige, ganz ähnliche Symbiose aus Café und Info-Terminal. Wer kann sich der betörenden Vision eines noch gesichtsloseren Foyers entziehen, in dem die gemächlichen Kaffeemaschinen(bediener) und der kenntnisarme Auskunftsgeber durch einen schnellen, effizienten, faltenlosen, fehlerfreien Automaten ersetzt sind.

Mit der Bremer Kaffeemaschine ließe sich die Rate der Bedienten-Studenten-und-Professoren-pro-Pause, kurz BSPP, um ein Vielfaches steigern! Professoren könnten mit frisch befeuertem Elan ihre Seminarinhalte zelebrieren, Studenten den funkensprühenden Lehrvorträgen mit ungeteilter Aufmerksamkeit folgen – Studenten und Professoren in enthusiastischer Diskussion über Studieninhalte, ein Triumph des Geistes im koffeindurchtränkten Hochschulkörper. Doch nicht nur auf intellektueller Ebene weist die Bremer Kaffeemaschine das Berliner Tor 5 auf den Weg ins Paradies, auch jedermanns persönlicher Alltag kann besser werden. Wer weiß, dass die nächste Bahn nicht mehr in normalem Schritttempo zu kriegen ist, wartet ganz gemütlich bei einem sozialverträglichen Kaffee in Kommilitonengesellschaft auf die übernächste. Wer das Büro des zuständigen Verwaltungsangestellten aufgrund maschinenpräziser Wegbeschreibung inklusive Hinweis, mit welchem Fahrstuhl man dort am besten hinfährt, entspannt erreicht, ist freundlicher im Gespräch, und das führt ja potenziell zu einer zweistellig-prozentualen Verkürzung der Bearbeitungszeit des vorgebrachten Anliegens.

Die Bremer Kaffeemaschine könnte den Raumplan lernen und jedem hastenden Zehn-Minuten-zu-spät-Studenten sagen, wo genau er eigentlich schon seit zehn Minuten sitzen sollte. Dabei könnte sich der Student, nur kurz vor dem Automaten pausierend, einen Quick-Coffee-Strahl, nach amerikanischem Vorbild der im hohen Bogen sprudelnden Wasserspenderhähne, in den Mund laufen lassen. Die Möglichkeiten scheinen schier unendlich, und endlich ist es jedem glasklar: Alles, was unserer Hamburger Hochschule fehlt, ist ein bisschen Bremen.

Weitere Infos gibt es hier: Website von heise online (Artikel über den sprechenden Kaffeeautomaten von Bremen)

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