HAW

Am Anfang war das Chaos

Veröffentlicht am 17. September 2009

Der Semesterbeginn ist für jeden Studenten am Department Design eine spannende Angelegenheit – eine Zeit, in der man grundlegende Entscheidungen über den weiteren Verlauf seines Studiums in den nächsten Monaten trifft. Für Erstsemestler hat die Einführungswoche nochmals einen Sonderstatus. Sie ist der erste Kontakt mit ihrem neuen Leben als Student. Um ihnen das gegenseitige Kennenlernen sowohl von Hochschule als auch von Kommilitonen zu erleichtern, treibt man hierfür einen ganz besonderen Aufwand.

Einmal jährlich, zum Sommersemester, wird am Department Design die OE-Woche für die Erstsemestler ausgerichtet. Da die Neuen noch plan- und orientierungslos sind, benötigen sie eine ganz besondere Art der Zuwendung. Die bekommen sie jedes Jahr von einer Gruppe engagierter OE-Tutoren, die sie in der ersten Woche ihres Designstudiums begleiten und in dessen Geheimnisse einweihen.

Um diese Woche vorzubereiten, gibt es in der Regel zwei Wochen vor Semesterstart eine so genannte OE-Fahrt, bei der alle OE-Tutoren für zwei, drei Tage an einen abgelegenen Ort fahren; im Jahr 2009 war es ein Biobauernhof bei Gorleben, inklusive einer netten Atomkraftgegnerkommune und Wollschweinen. Organisiert wurde der Trip von drei Obertutoren, die für die Planung der OE verantwortlich waren. Dort entstanden dann in einem kreativ-argumentativen Schlagabtausch das große Überthema, der Ablauf und die Inhalte der OE-Woche, inklusive Aufgabenteilung. Für Unkosten von An- und Abreise, Residenz, Nahrungsmittel und Alkohol (wichtig für den kreativen Prozess) sowie der gesamten Umsetzung der OE-Woche zahlt das Department jährlich einen festgelegten Betrag – und der ist gut angelegt.

2009 setzte sich das Thema »Verschollen am Armgartzonas – Angriff der Kanni’malen« in einem klaren, demokratischen Prozess (»jeder hat fünf Stimmen …«) durch, was ganz im Zeichen der Inka, Maya und Azteken stand. Frühere OE-Themen waren beispielsweise »Artgenossen Armgartstraße« (Thema Kunst) oder das Thema »Märchen«. Zur Begriffserklärung: Ein Gebäude des Departments befindet sich in der Armgartstraße.

Verschollen am Armgartzonas

Montag: Begrüßung und erstes Kennenlernen

Um acht Uhr morgens trafen sich alle OE-Tutoren, um sich mit selbst designten T-Shirts einzukleiden und um die Kriegsbemalung aufzutragen. Schließlich sollten die Frischlinge gebührend empfangen werden.

Erstsemestler, Professoren, Dekanin und Tutoren versammelten sich dann ab neun Uhr in der Aula. Auf ihren Stühlen fanden die Neulinge das OE-Heft, das ihnen erste Indiana-Jones-Tipps für das Überleben im Großstadt- und Hochschuldschungel vermitteln sollte. Anschließend folgte eine Reihe von Begrüßungsreden, unter anderem von Dekanin Wenzel, Professoren als Vertreter der einzelnen Studiengänge und einer Tutorin als studentische Vertretung.

Nachdem man den offiziellen Teil überstanden hatte, wurden alle Erstsemestler in verschiedene Stämme (Gruppen) eingeteilt. Dazu hatte man ihnen beim Einlass in die Aula unterschiedliche Amulett-Buttons überreicht. Mit den Amuletten, dessen Muster jeweils zu einer Art von Gesichtsbemalung passte, konnten sie ihre beiden Tutoren erkennen, die sie für den restlichen Tag begleiten sollten. Zur Sicherheit besaß jeder Stamm noch einen markanten, ehrenvollen Namen, wie beispielsweise Xplötzli’elitli, Quichistaffelichi, Promilitägli oder Popokakapipi, der ebenfalls auf den Amuletten zu finden war. Nachdem alle Stammesmitglieder ihre Häuptlinge gefunden hatten, begab man sich in verschiedene Räume für ein erstes Kennenlernen, Warmtrinken und Fragenbeantworten. Anschließend führten die Häuptlinge ihre Untertanen durch ihren neuen Lebensraum, um ihnen so eine erste Orientierung zu ermöglichen. Mit abschließenden Instruktionen für den nächsten Tag wurden die Neuankömmlinge wieder in die Freiheit entlassen.

Dienstag: Frühstücksspiel

Am zweiten Tag trafen sich Erstis und Tutoren wieder in der Aula, um gemeinsam zu frühstücken. Dazu hatte jeder etwas Ess- oder Trinkbares und Geschirr mitgebracht und die Erstis ein Wichtelgeschenk – äh – ich meinte natürlich eine Opfergabe für maximal drei Euro.

Für hausinterne, musikalische Unterhaltung war auch gesorgt, aber es sollte noch besser kommen.

Denn als der Nebel sich lichtete …

… kamen zwei wunderschöne Göttinnen zum Vorschein.

Nun wurde es ernst: Durch knallharte Fragen, wie beispielsweise »Wer hat gestern Abend mit seinen Eltern telefoniert?«, wurden nacheinander ein paar Erstis auserwählt, die nach vorne kommen mussten, um eine schwierige Aufgabe zu bewältigen.

Weitere Herausforderungen waren zum Beispiel spontanes Reimeerfinden, Schrei-, Tanz-, Mal-, Musik- und Geschicklichkeitsdarbietungen. Nach erfolgreicher Absolvierung durfte man sich zur Belohnung eine Opfergabe nehmen und einen Schrumpfkopf seiner Wahl küssen, die vor jeder Göttin auf mystische Weise auf- und abhüpften.

Da diese Prozedur selbst für Göttinnen anstrengend sein kann, kümmerten sich untergebene Diener ebenfalls um ihr Wohlbefinden.

Als nun jeder Neuling eine Aufgabe erfüllt hatte, sangen die beiden Göttinnen zum Abschluss ein eigens kreiertes, herzanrührendes Lied, das entfernt an eine Band namens Teewurst erinnerte.

Mittwoch: Projektgruppen und Kiezbummel

Der Mittwoch begann mit Treffen in verschiedenen Projektgruppen, in die sich die Erstsemestler bereits dienstags eintragen konnten. Hauptaufgabe dieser Gruppen war die Vorbereitung der großen, legendären Erstsemesterparty am Freitag. Dazu mussten Räume in Urwälder verwandelt, animalische Kostüme, abenteuerliche Fotos und ein teuflischer Film angefertigt werden, die dann bei der Party präsentiert werden sollten.

Es wurde gebastelt, was das Zeug hielt …

… und abends, nach getaner Arbeit, trafen sich alle, die Lust hatten, zu einem Kiezbummel. Neu zugezogene Erstis hatten die Möglichkeit, sich mit ihren Tutoren an einer U-Bahnhaltestelle zu treffen, um dann gemeinsam zu einem auserwählten Club zu gehen. 2009 entschieden sich die Tutoren für den Hörsaal, da man dort günstige Getränkepreise aushandeln konnte.

Beim Feiern lernt man sich auch noch mal ganz anders kennen.

Donnerstag: Projektgruppen, Foto-Shooting und Spiel

Nachdem es dann Tutoren und einige Erstis am Donnerstagmorgen aus dem Bett geschafft hatten, konnte in den Projektgruppen weitergearbeitet werden.

Auf der Tagesordnung stand an diesem Tag außerdem ein Foto-Shooting mit allen Erstsemestlern und Tutoren, das von der Fotogruppe vorbereitet und durchgeführt wurde …

… und ein Spiel, das von der Spielegruppe geplant und durchgeführt wurde. Kurze Erklärung des Spiels: Es gab zwei Parteien: die Fleischfresser, darunter ein Löwe, eine Schlange oder eine fleischfressende Pflanze und die Pflanzenfresser, wie zum Beispiel eine Giraffe oder ein Papagei. Die Pflanzenfresser mussten versuchen, Bananen in einen gegnerischen Korb zu bringen und die Fleischfresser Bifis. Dabei durften sie aber immer nur drei Schritte mit einem Nahrungsmittel laufen, andernfalls mussten sie es jemand anderem zuwerfen oder, im Falle eines feindlichen Nahrungsmittels, es essen.

Man kann sich vorstellen, dass am Ende des Spiels nicht mehr viel von den Kostümen übrig war.

Freitag: Letzte Vorbereitungen und Party

Freitags wurde die Arbeit in den Projektgruppen abgeschlossen, darüber hinaus letzte Vorbereitungen für die Party getroffen.

Und ganz Hamburg kam. Nun ja, fast.

Zum Feiern gehörte natürlich auch das Aufräumen am nächsten Tag, was mit Pizza für alle fleißigen Helfer belohnt wurde.

*Alle in diesem Beitrag verwendeten Bildmaterialien sind von den Urhebern dem FSR Design zur Erstellung und Verbreitung einer CD-R zur Verfügung gestellt worden. Rückschlüsse auf die Urheberschaft ließen sich auf der CD-R leider nicht mehr ziehen. Sollte sich jemand in seinem Urheber- oder Persönlichkeitsrecht verletzt sehen, so bittet die Redaktion um Kontaktaufnahme, um das betroffene Material entfernen zu können.

Weitere Infos gibt es hier: YouTube (Video zur OE-Woche 2009 des Departments Design)

Weitere Artikel der Reihe:

gremien_teaserbild_4

»Das Gefühl, Dinge verändern zu können…«

ein_zimmer_fuer_elvis

Ein Zimmer für ELViS

678_unterschriften

678 Unterschriften

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*