Im Gespräch mit Henning Uplegger, Mitinitiator der Studentenpetition gegen geplante Einschränkungen im Laborbetrieb am Department Maschinenbau und Produktion.
Mit der Übergabe einer Petition (PDF-DOWNLOAD) an die Hochschulleitung protestierte der Fachschaftsrat Maschinenbau und Produktion am Mittwoch, den 17. März 2010, gegen den möglicherweise geplanten Abbau von Stellen wissenschaftlich-technischer Mitarbeiter, der zu erheblichen Einschränkungen im Laborbetrieb führen würde. Hintergrund der Petition ist ein Ende letzten Jahres erschienener Artikel der Zeitschrift des Freundeskreises »Maschinenbau & Produktion« Berliner Tor e.V. (PDF-DOWNLOAD). Mit 678 Unterschriften von Studenten des Departments suchten Vertreter des FSR M+P die Hochschulleitung auf, um ihre Forderungen zu übergeben. Der im Februar vom Hochschulrat wiedergewählte Kanzler Bernd Klöver war jedoch nicht zu sprechen. Stattdessen nahm Frau Scharper aus dem Präsidialbüro die Unterschriften entgegen und versicherte auf Nachfrage, dass die Sache mit Priorität behandelt werde. Die vom FSR geforderte Rückmeldung bis zum 01. April könne sie jedoch nicht zusichern. Die Redaktion sprach mit Henning Uplegger, Vertreter des Fachschaftsrats Maschinenbau und Produktion und einer der Initiatoren der Petition, über die Hintergründe.

[Henning Uplegger | Fotografie: Katharina Anatzki, info-parkour.de]
Henning, als Vertreter des FSR M+P habt ihr am 17. März der Hochschulleitung eine Petition mit 678 Unterschriften übergeben. Wie kam es zu der Petition und was sind eure Forderungen?
Anfang Januar sind wir zufällig über einen Artikel der Zeitschrift des Freundeskreises »Maschinenbau & Produktion« Berliner Tor e.V. gestolpert, in dem eine von der HAW in Auftrag gegebene Studie der Hochschulinformationssystem GmbH (HIS) zur bedarfsgerechten Verteilung von wissenschaftlich-technischem Personal in ihrer Konsequenz kritisiert wird. Vorausgegangen waren bereits Gerüchte über Stellenstreichungen. Kommilitonen berichteten uns, dass Professoren in den Vorlesungen vereinzelt Andeutungen diesbezüglich gemacht hatten. Wir fordern, dass die Qualität im Laborbetrieb erhalten bleibt. Um dies zu gewährleisten, darf es keine Erhöhung der Gruppengrößen, Laborschließungen oder -zusammenlegungen geben. Darüber hinaus lehnen wir Kürzungen von Mitarbeiterstellen ab und fordern, dass die Besetzungssperre von Mitarbeiterstellen aufgehoben wird.
Wie sähe es konkret aus, wenn die Stellen gestrichen werden?
Das Streichen von Mitarbeiterstellen wird über kurz oder lang nur durch eine Erhöhung der Gruppengrößen zu kompensieren sein. Skizziert man derzeit die Szenarien in den Laborübungen, so stellt man fest, dass die Labore, in denen Apparate oder Maschinen zum Einsatz kommen, überwiegend in Vierer-Gruppen durchlaufen werden. Aus den Vierer-Gruppen müssten 16er-Gruppen werden. Das vertiefende Erfassen und Begreifen des Lernstoffes mittels »hands-on experience« mutiert zu blankem Anschauungsunterricht. Die besondere Charakteristik der Studiengänge, die im Übrigen auch bei der Akkreditierung besonders positiv gewürdigt worden ist, geht verloren.
Wie habt ihr die Petition verbreitet?
Zunächst haben wir die Petition im Maschinenbau-Gebäude zum Unterschreiben als Handzettel verteilt. Zahlreiche Professoren teilen unsere Befürchtungen, so dass manche unsere Petition gemeinsam mit den Klausuren ausgeteilt und wieder eingesammelt haben. Auch über unsere Website und den Mail-Verteiler von M+P haben wir auf die Aktion aufmerksam gemacht.
Wie waren die Reaktionen unter den Studenten?
Als die Studierenden vom geplanten Stellenabbau gehört haben, waren die meisten entsetzt. Dementsprechend war der Rücklauf mit 678 unterschriebenen Petitionen beträchtlich. Es waren im Wintersemester 2009/2010 1665 Studierende am Department M+P eingeschrieben. Man muss sich allerdings klar machen, dass wir uns in der Vergangenheit schon glücklich schätzen konnten, wenn wir bei Aktionen etwa fünf bis zehn Prozent Rückmeldungen bekommen haben. Diesmal sind es rund 41 Prozent. Das ist gewaltig.
Wie waren die Reaktionen von Professoren und Lehrbeauftragten?
Weil der Stellenabbau vor allem ihre Mitarbeiter betrifft, reagierten die Professoren mit Wohlwollen auf unsere Petition. Wie oben erwähnt, unterstützen uns einige Lehrbeauftragte und Professoren sogar dadurch, dass sie Petitionen mit den Klausuren austeilten und einsammelten.
Was erwartet ihr konkret von der Hochschulleitung?
Im besten Fall natürlich, dass alle unsere Forderungen erfüllt werden. Unsere Mindesterwartung ist, dass es so bleibt, wie es jetzt ist. Es ist zwar nicht alles perfekt – manche Gruppen sind jetzt schon zu groß – im allgemeinen kommen wir aber mit den Umständen, wie sie aktuell vorherrschen, einigermaßen zurecht.
Was, wenn nichts passiert?
Heikle Frage, eine Entscheidung trifft ausschließlich die Hochschulleitung. Keines der Gremien, in denen Studenten sitzen, hat hier Mitspracherecht. Nicht einmal Departmentsvertreter oder -leitung sind an der Entscheidung beteiligt. Wir setzen zunächst auf die Kommunikationsbereitschaft der Hochschulleitung. Es sollte im Interesse aller sein, die Qualität der Lehre zu verbessern. Die Studenten des Departments haben sich zum allergrößten Teil aufgrund des deutlichen Praxisbezugs für die HAW entschieden. Kann dieser wegen der Stellenstreichungen nicht mehr gewährleistet werden, ist damit zu rechnen, dass sich unsere Studenten und auch Studieninteressierte nach Alternativen umschauen werden. Eine Hochschule mit einem charakteristisch ähnlichen Fachbereich und insbesondere mit einem zukunftsträchtigen Schwerpunkt »Nachhaltige Energiesysteme« ist im nahen Umkreis jedoch nicht zu finden. Eine deutliche Schwächung der Metropolregion Hamburg als Wirtschaftsstandort und Zentrum für Forschung und Innovation ist damit vorprogrammiert.
Wäre es für dich denkbar, in diesem Fall die Uni zu wechseln?
Ja!
Vielen Dank für das Gespräch!
Nachtrag: In der Sitzung des Hochschulsenats am 25. März 2010 wurde als informeller Tagesordnungspunkt die HIS-Studie zum neuen Verteilungsmodel für wissenschaftlich-technische Mitarbeiter vorgestellt. Ein Mitarbeiter der Hochschulinformationssystem GmbH stellte die Studie in einer halbstündigen Präsentation vor. Im Anschluss informierte Henning Uplegger den Hochschulsenat über die Petition der Studenten. Diese wurde mit dem Hinweis zur Kenntnis genommen, dass der Hochschulsenat in dieser Angelegenheit keinerlei Entscheidungskompetenz habe. Das neue Verteilungsmodell wird entsprechend in Zukunft für Umstrukturierungsmaßnahmen bei wissenschaftlich-technischen Mitarbeitern genutzt werden.