Während das Präsidium das 40jährige Jubiläum der HAW feierte, protestierten Studenten des Departments Design mit einer spontanen Aktion gegen Einsparungen, die ihre Studienbedingungen derzeit belasten.
Das Präsidium hatte im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40jährigen Bestehen der Hochschule ab dem 31.03.2010 zu einer zweitägigen wissenschaftlichen Tagung mit dem Titel »Wissen fürs Leben – Innovationskraft angewandter Wissenschaften« ins Foyer des Berliner Tors 21 geladen. Mit zum Teil prominenten Gästen und Referenten sollte unter anderem diskutiert werden, welche Perspektiven der Hochschultyp der angewandten Wissenschaften hat. Weil jedoch aufgrund der angespannten Finanzlage weite Teile der Studentenschaft die Perspektiven hinsichtlich der Studienbedingungen alles andere als optimistisch sehen, nahmen Studenten des Departments Design die Veranstaltung zum Anlass für eine spontane Protestaktion. Die Ereignisse im Einzelnen verfolgte Katharina Rumpf (Modedesign, 5. Semester, Dept. Design).
[Fotografie: Frank Dietrich, Dept. Medientechnik]
Während der vom Präsidenten der HAW, Prof. Dr. Michael Stawicki, gehaltenen Eröffnungsrede betreten etwa 100 Studenten die Aula. Manche tragen den aussagekräftigen Schriftzug »ARM-gartstraße« auf der Brust, ihre Rücken zieren nicht weniger deutliche Botschaften: Mit Rotstift gestrichen sind Begriffe wie »Tutorien« und »Exkursionen«, »Lehrkräfte« und »Software/Hardware«, unterstrichen ist unter anderem das Wort »Überfüllung«. Die Studenten verteilen Flyer, einige betreten die Bühne. Der seit 2004 amtierende Präsident lässt sich nur kurz aus der Fassung bringen und begrüßt die Neuangekommenen unter anderem mit der Anmerkung, die Hochschule sei »ja auch für Studenten da«. Kurz darauf erteilt Stawicki den Studenten das Wort.
[Fotografie: Frank Dietrich, Dept. Medientechnik]
Die wortführende Studentin erklärt, dass ihren Kommilitonen leider nicht zum Feiern zumute sei, da dem Department immer weniger Geld zu Verfügung stehe. Die akuten Folgen seien Streichungen von Tutorien, geschlossene Werkstätten und entlassene Lehrkräfte. Dies führe dazu, dass ihnen die Grundlage für ein kreativ fundiertes Studium entzogen werde. In der Folge könne das Department Design in der Armgartstraße nur mehr mit einem armseligen Studium aufwarten.
Während der Rede gehen Studenten mit Büchsen durch die Reihen und sammeln symbolisch Geld unter den Zuhörern. Der krönende Abschluss der Protestaktion ist die Übergabe eines riesigen Schecks über null Komma null Euro und null Cent an den Präsidenten Stawicki. Dieser nimmt das Schmähgeschenk – anscheinend hocherfreut – entgegen und hält ihn zur besseren Ansicht für das akademische Publikum in die Höhe.
[Fotografie: Frank Dietrich, Dept. Medientechnik]
Anschließend erklärt er den Anwesenden, dass die aktuelle Lage durch die in diesem Jahr um eine Million Euro reduzierten Landesmittel verursacht sei. Dies müsse kompensiert werden. Darüber hinaus sichert er zu, dass die Lage sich wieder verändern werde. Die Studenten würden deutlich mehr Mittel bekommen, von denen wieder mehr Tutorien und Mitarbeiter bezahlt werden könnten.
Tilmy Alazar, Teil des AStA-Vorstands, nutzt die Gelegenheit zur gezielten Nachfrage: Was genau werde sich verändern? Es entspinnt sich eine kurze Diskussion, in deren Verlauf von Tilmy angemerkt wird, dass einer der Gründe für die Aktion eben auch ein Protest gegen die derzeitige Aufteilung der Studiengebühren zu 40% auf das Präsidium und nur zu 60% auf die Fakultäten sei. Obwohl dieser Umstand wiederholt in den Hochschulsenatssitzungen kritisiert worden sei, habe das Präsidium daran bislang nichts verändert. Stawicki argumentiert, dass auch die 40% der Studiengebühren, die für Projekte an das Präsidium gingen, letztlich den Studenten zugute kämen. Die Studenten scheinen dies anders zu sehen und fordern per Zwischenruf, man solle besser Lehrkräfte einstellen, statt ein teures Chipkartensystem einzuführen. Der Mathematiker Stawicki hält dagegen, dass auch ein funktionierendes Verwaltungssystem wichtig sei. Die Studenten bleiben dabei, dass sie sich im Zweifelsfall für die Lehrkräfte entscheiden würden. Tilmy Alazaar betont abschließend noch einmal die Verhältnismäßigkeit der Mittelverteilung. Selbst in Zeiten knapper Mittel müsse der Schwerpunkt auf der Lehre liegen. Die Studenten applaudierten seiner Rede, um danach geschlossen den Raum zu verlassen.
Bereits Anfang März hatten Studierende des Departments Design in einem Offenen Brief vor der dramatischen Verschlechterung in ihren Studienbedingungen gewarnt. Nach der jüngst initiierten Aktion »geräuschlos«, einer Petition für die Wiedereinstellung des Lehrbeauftragten Asmus Tierchens, sowie der Unterschriftenaktion des FSR Maschinenbau und Produktion gegen Stellenstreichungen bei wissenschaftlich-technischen Mitarbeitern, ist die Protestaktion ARMgartstraße bereits die vierte Kampagne von Studenten der HAW seit Beginn des Sommersemesters 2010. Mit der Entscheidung, die Protestaktion während einer Tagung mit geladenen Gästen durchzuführen, haben die Studenten jetzt erstmals ein Forum über die HAW hinaus gewählt. Man darf gespannt sein, wie sich die Lage bis zum Sommerfest entwickelt, das im Rahmen des Jubiläumsjahres der HAW im Juni geplant ist.
Weitere Infos gibt es hier: Linksammlung des FSR Information zur aktuellen hochschulweiten Finanznot ; feierliche Mitteilung des Präsidiums an die Studentenschaft über das diesjährige 40jährige Jubiläum der HAW

