Berufstart

Auf sich allein gestellt

Veröffentlicht am 17. Oktober 2009

Michael Dommel (26) studiert Medien und Information am Department Information. Dass er während seiner Zeit an der HAW ein halbjähriges Praktikum absolviert, gehört zu den festen Bestandteilen seines Studiums. Um möglichst viel aus der Medienwelt mitzunehmen, entschied er sich dazu, zwei Praktikumsstellen auszuwählen. Ein Praktikum sollte »redaktionelle und journalistische Elemente« beinhalten, das zweite eher im Bereich »Film und Fernsehen« angesiedelt sein. Und er wollte nach Berlin oder Potsdam. Seine Entscheidung fiel auf die Helios Media GmbH in Berlin, die unter anderem das PDF-Magazin V.i.S.d.P herausbringt und gutfilm medienproduktion. Im Interview mit info-parkour.de berichtet Michael Dommel über seine Praxiserfahrungen.

Hattest Du eine konkrete Vorstellung, wie Dein Praktikum auszusehen hat?

Nein, die hatte ich lange Zeit nicht. Ich habe mir erst relativ spät konkrete Gedanken zu der Art des Praktikums gemacht. Da ich Interesse für verschiedene Bereiche in der Medienwelt hatte, nahm ich mir vor, mein Praktikum aufzuteilen. Der eine Teil sollte unbedingt redaktionelle und journalistische Elemente beinhalten, am besten bei einem Magazin oder einer Zeitschrift. So bin ich letztlich bei einem Verlag gelandet, welcher sich auf die »Kommunikationsbranche« spezialisiert hat. Der andere Teil des Praktikums sollte bei einem anderen Medium stattfinden. Film und Fernsehen haben mich da besonders interessiert, und so bin ich bei einer Film- und Medienproduktionsfirma gelandet. Fest stand für mich nur, dass ich das Praxissemester im Berliner Raum absolvieren möchte. Ich kann nur jedem empfehlen, dass Praktikum zu nutzen und sich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren. Diese Erfahrungen sind in vielerlei Hinsicht sehr nützlich.

Wie hast Du Deine Recherchen angestellt, um zu den Unternehmen zu kommen, bei denen Du letztlich gelandet bist?

Ich hatte mich relativ spät um einen Praktikumsplatz bemüht. Viele meiner Kommilitonen hatten schon lange eine Stelle sicher, als ich mich erst intensiv auf die Suche begab. Anfangs suchte ich noch – für einen angehenden »Rechercheprofi« ziemlich stupide – in den Gelben Seiten. Später stieß ich dann auf einschlägige Portale. Dort kann man ganz konkret nach seiner gewünschten Praktikumsstelle suchen. Man kann den Ort, die Branche, den Zeitraum und die Länge des Praktikums eingeben und sich anzeigen lassen, welche Stellen für diese Kriterien in Frage kommen. Man sollte sich bei der Praktikumssuche auf keinen Fall unter Zeitdruck setzen lassen, auch wenn man das Gefühl hat, die Zeit schreitet schnell voran. Das führt nur dazu, dass man die erstbesten Praktikumsstellen blindlings annimmt. Aber eine Stelle zu finden ist nicht schwer, selbst kurzfristig nicht, wie ich gemerkt habe. Viele Unternehmen handeln schnell und flexibel. Und viele Unternehmen suchen durchgehend Praktikanten.

Was war ausschlaggebend für die Wahl Deiner Praktikumsstelle?

Zum einen der Standort. Das Praktikum bietet ja die einzigartige Chance, andere Orte auszuprobieren oder sogar ins Ausland zu gehen. Ich wollte das Praktikum nutzen, um in meiner Heimat vorbeizuschauen. Daher wurden es dann Berlin und Potsdam, die ja zudem große Medienstandorte sind. Zum anderen war natürlich die Arbeit an sich ausschlaggebend. Das erste Praktikum war ein redaktionelles und journalistisches Praktikum. Das hatte ich mir gezielt so ausgesucht, obwohl ich anfangs nicht ganz genau wusste, was auf mich zukommt.

Wie wurdest Du nach Start des Praktikums in das bestehende Team integriert und kannst Du nachfolgenden Kommilitonen allgemeine Tipps für eine reibungslose Integration in ein neues Unternehmen mit auf den Weg geben?

Beim Helios Verlag verlief die Integration ganz problemlos. Ich wurde am ersten Tag allen persönlich vorgestellt. Das waren nicht wenige, immerhin verteilt sich der Verlag über mehrere Stockwerke. Hier duzen sich alle, vom Praktikanten bis zum Chef. Das machte die Sache auch gleich unverkrampft. Trotz der vielen Arbeit waren alle locker drauf. Das liegt vielleicht auch am Alter. Der Verlag ist noch ein recht junges Unternehmen, die meisten Angestellten sind unter 30, die Chefs Anfang bis Mitte 30. Es gibt hier zudem viele Praktikanten, Werkstudenten, studentische Aushilfen, Trainees und Volontäre. Dadurch, dass es in der Zusammenarbeit keine Unterschiede zwischen Angestellten, freien Mitarbeitern, Studenten und Praktikanten gab, wurde ich gleich gut aufgenommen und nicht als »typischer Praktikant« behandelt, sondern wie ein festes Teammitglied. Falls ich einen Tipp geben sollte, dann den: einfach man selbst bleiben. Alles andere bringt auf Dauer eh nichts.

Was waren Deine Tätigkeiten/Aufgaben?

Meine Aufgabe war das Erstellen eines wöchentlichen Medienmagazins, das jeden Freitag erscheint. Es ging darum, über das Geschehen in der Medienwelt Woche für Woche zu berichten. Im Printbereich: Gibt es neue Zeitungen, werden alte eingestampft, gibt es Trends? Im Fernsehen: Wie entwickeln sich die Einschaltquoten bestimmter Sendungen, welcher Neustart floppt? Im Internet: Was tut sich bei Twitter, Google und Co.? Sind Übernahmen oder Fusionen geplant, was für neue Portale gibt es? Im Hörfunk: Was machen Radiosender im Zeitalter des Internets? Dazu kamen Personalmeldungen und Personalwechsel aus der Medienbranche. Zum Abschluss gab es die reich bebilderten »Gala«-Seiten von Fernseh-, Film-, und Medienpreisverleihungen. Die Hauptaufgabe war dabei, die Medienwelt zu beobachten. Alle einschlägigen Medienportale, Dienstleister sowie die Medienseiten der Tageszeitungen im Auge zu behalten. Für uns relevante Meldungen wurden ausgewählt und gesammelt. Daraus wurden später Meldungen verfasst. Hinzu kamen unsere eigenen Meldungen und Berichte.

Das Highlight und der Aufmacher war jedoch immer das Interview der Woche auf der ersten Seite. Ein wichtiger und integraler Bestandteil des Magazins. Diese Aufgabe, die ich ebenfalls übernahm, gehörte zu meinen Lieblingsaufgaben. Es musste Woche für Woche ein neuer Interviewpartner aus der weiten Welt der Medien gefunden werden. Das Interview musste dabei einen aktuellen Bezug haben. Ich hatte da zum Beispiel den Historiker, Moderator und Journalisten Guido Knopp im Interview, der ein neues Geschichtsquiz im ZDF anfing. Oder André Boße, den Chefredakteur der GALORE, die als Printmagazin eingestellt wurde. Die Arbeitsschritte beim Interview waren in der Regel gleich: eine Interviewanfrage bei der Person oder dessen Pressestelle stellen, sich möglichst interessante, gerne auch freche Fragen ausdenken, das Interview schließlich führen und danach abtippen. Dann brauchte es nur noch vom Interviewten kontrolliert und im besten Fall freigegeben werden.

Bilder waren ebenso wichtiger Bestandteil des Magazins und auch dafür war ich zuständig. Das heißt ich habe meine Bilderwünsche unseren Fotoredakteuren gegeben. Diese beschafften dann die Bilder oder durchstöberten das riesige Bilderarchiv. Wenn der Inhalt der jeweiligen Ausgabe dann fertig war – im besten Fall am Donnerstag, was jedoch nicht immer geklappt hat – setzte ich mich mit den Grafikern zusammen und wir brachten das Magazin in Schuss, machten es »ansehnlich«. Die enge Absprache mit den Grafikern ist wichtig, da sie wissen müssen, worum es geht, wie ich mir das vorstelle, was genau ausgesagt werden soll. Schließlich muss die Grafik zum Text passen. Darüber hinaus übernahm ich auch andere Aufgaben für andere im Verlag produzierte Zeitschriften, schrieb Porträts und Glossen und besuchte eine Pressekonferenz. Zusammengefasst waren die Aufgaben: recherchieren, auswählen, Texte verfassen, Texte redigieren, Bilder auswählen, Interviews führen, abtippen und die Abstimmung mit den Grafikern.

Gab es konkrete Verantwortungen, die Dir übertragen wurden? Hast Du eigene Projekte verantwortet? Wenn ja, welche und wie fühlt sich das an?

Mir wurde gleich zu Beginn die Erstellung des Magazins zugetragen. Dies war mein Hauptwerk, jede Woche aufs Neue. Ich sollte das Magazin größtenteils selbstständig machen. Natürlich immer in Absprache und im Austausch mit den Kollegen. Eigene Projekte und Verantwortungen zugeteilt zu bekommen ist immer gut. So lernt man am besten und schnellsten. Außerdem ist man motivierter.

Hast Du den Eindruck, dass Du aus dem Praktikum etwas mitnehmen konntest? Wenn ja, in welchen Bereichen?

Unbedingt. Man kann nichts besser lernen als indem man es macht. Da ich zu Ostern angefangen hatte und mein Partner im Urlaub war, wurde ich gleich ins kalte Wasser geschmissen und sollte das Magazin allein erstellen. Immerhin konnte ich meinen Partner im Urlaub telefonisch zwecks Absprache erreichen. Zurückblickend kann ich sagen, dass die Herausforderung, auf sich allein gestellt zu sein, ziemlich gut war. So wusste ich schnell, wie die Arbeit abläuft, was wichtig ist und was nicht, worauf es ankommt. Was habe ich nun mitgenommen? Zunächst einmal einen sehr guten Einblick in den Journalismus, in einen Verlag, der zu den Themen Kommunikation, Presse, Politik und Medien verschiedene Zeitschriften herausbringt. Auch wenn ich nur mit »meinem« eigenen Magazin beschäftigt war, bekam ich auch mit, wie die anderen Zeitschriften des Verlags entstehen. Die Recherchen, die Interviews, das Schreiben, Redigieren und letztlich die für alle Beteiligten stressige »Produktionsphase«, wo es schon mal vorkommen kann, dass man bis spät abends arbeitet oder sogar am Wochenende oder an Feiertagen. Somit erhält man auch einen Einblick ins Berufsleben an sich.

Was würdest Du anderen Studenten bei der Wahl zu einer geeigneten Praktikumsstelle empfehlen? Nach welchen Kriterien sollte man auswählen?

Den Namen eines großen Unternehmens im Lebenslauf stehen zu haben ist sicherlich nicht verkehrt und möglicherweise lernt man dort auch etwas. Ich habe mich jedoch bewusst für kleinere und mittelgroße Unternehmen entschieden. Ich denke, dass dort der Lerneffekt am größten ist, dass man dort als Praktikant gleich eingesetzt wird, bei der »richtigen Arbeit richtig mit anpacken« muss und so am meisten davon mitnimmt. Ich jedenfalls wurde nicht enttäuscht und würde es jederzeit wieder so tun.

Studium und Praxis. Du hast jetzt den Vergleich. Was macht dir mehr Spaß? Studieren oder Arbeiten?

Durch das Jobben während des Studiums und meine vorherige Ausbildung hatte ich schon etwas Berufserfahrung, auch bei einem Verlag. Das hat sich bei mir wiederum auf das Studium und die Studienwahl ausgewirkt. Letztlich studiere ich, um später zu arbeiten. Das Studium ist eine schöne und sehr interessante Zeit, die viele Möglichkeiten und Freiheiten bietet. Man sollte sich dafür ruhig Zeit nehmen, sich nicht da durchhetzen lassen. Trotzdem ist es irgendwann gut, wenn es vorüber ist und ein Job ansteht, der Spaß macht.

Könntest Du Dir Deine Praktikumsplätze auch als späteren Arbeitsplatz vorstellen?

Ja. Jedenfalls für eine gewisse Zeit. Das liegt auch daran, dass ich mir nicht vorstellen kann, auf ewig und alle Zeit auf demselben Arbeitsplatz zu hocken. Es sei denn er ist super interessant, ist vielseitig, macht Spaß, Kollegen und Chefs sind super und alles andere stimmt ebenfalls – aber diesen Job muss man erst mal finden. Letztlich kann ich sagen, dass es mir viel Spaß gemacht hat, die Leute nett waren und dass ich nichts bemängeln kann. Von daher: schöne Sache.

Vielen Dank für das Gespräch.

*Hinweis: Michael Dommel berichtet im Rahmen der Veranstaltunge »I Did It My Way« über seine Praxiserfahrungen bei der Helios Media GmbH am 16. November um 12 Uhr in Raum 5.14 am Berliner Tor 5. Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen.

Weitere Infos gibt es hier: Homepage der Helios Media GmbHHomepage von V.i.S.d.P.Homepage von gutfilm medienproduktion

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