Jan Wilfarth, Human Resources Manager bei InnoGames, über mehrstufige Bewerbungsverfahren, den »idealen Bewerber« und über das, was nicht passieren darf: Copy&Paste, falsche Ansprechpartner und Schwächen bei der Rechtschreibung.

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Die Softwareschmiede InnoGames GmbH mit Sitz in Hamburg entwickelt und betreibt Browsergames. Zu den bekanntesten Produkten gehören die Online-Spiele »Die Stämme« und »The West«. 2003 als Hobbyprojekt gestartet, beschäftigt das junge Softwareunternehmen mittlerweile 60 Mitarbeiter am Hauptsitz in Hamburg und weltweit 60 Community-Manager als Teilzeitkräfte. Für den Unternehmensbereich Softwareentwicklung sieht er zukünftig den größten Personalbedarf, hier könne man »von heute auf morgen 20 neue Stellen schaffen«.
Herr Wilfarth, womit kann ein Bewerber Sie besonders beeindrucken und ab wann verlieren Bewerber ihre Glaubwürdigkeit?
Neben den fachlichen Voraussetzungen ist uns vor allem wichtig, dass sich die Bewerber mit uns und unseren Produkten auseinander setzen, bevor sie sich bewerben. Darüber hinaus sollten sie selbstbewusst ihre Stärken unterstreichen, ohne dabei arrogant zu wirken.
Wie lassen sich Talente von Bewerbern innerhalb eines Bewerbungsverfahrens erkennen?
Wir haben ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren, in das auch fachliche Tests integriert sind, um die dortigen Stärken zu erkennen. In den Gesprächen können Bewerber natürlich ihre Soft Skills unter Beweis stellen, also beispielsweise Souveränität oder Schlagfertigkeit.
In welchem Ausmaß informieren Sie sich im Vorhinein über Ihre Bewerber?
Wir setzen uns intensiv mit den eingereichten Bewerbungsunterlagen auseinander. Oftmals gehören dazu auch Arbeitsproben, die wir von unseren Spezialisten in den jeweiligen Bereichen genauer unter die Lupe nehmen lassen. Auftritte in Social Networks interessieren uns weniger, es sei denn, diese haben einen direkten Bezug zur ausgeschriebenen Stelle.
Andere Seite: Über was sollte sich ein Berufseinsteiger – Ihrer Meinung nach – bezüglich des Unternehmens im Vorab einer dortigen Bewerbung über dasselbe informieren?
Die Homepage des Unternehmens ist natürlich eine sehr wichtige Informationsquelle, weil sie viel über das Selbstverständnis des Unternehmens erzählt. Dies zu erkennen ist neben der vorauszusetzenden Produktkenntnis ein wichtiger Punkt. Informiert sich ein Bewerber beispielsweise über InnoGames auf unserer Homepage, weiß er, dass ihn hier eine lockere Arbeitsatmosphäre erwartet und er nicht zwangsläufig mit Anzug und Krawatte zum Bewerbungsgespräch kommen muss.
Inwiefern sind die Arbeitszeugnisse früherer Arbeitgeber relevant, worüber können Sie Aufschluss geben?
Die Aussagekraft von Arbeitszeugnissen ist durch gesetzliche Rahmenbedingungen schon in gewisser Weise eingeschränkt. Gleichzeitig sind sie trotzdem ein wichtiger Faktor, um sich von den früheren beruflichen Leistungen des Bewerbers ein Bild zu machen. Neben der Beurteilung geben aber auch die im Zeugnis festgehaltenen Arbeitsgebiete einen Aufschluss über die Bewerber.
Wie gehen Sie mit Lücken und außerdem mit »Brüchen« im Lebenslauf um bzw. wie lassen sich diese bewerten?
Ein vollkommen »gerader« und stringenter Lebenslauf ist keine Grundvoraussetzung, um bei uns eine Stelle zu kommen. Wichtig ist immer, dass Bewerber etwaige Lücken oder Abzweigungen plausibel begründen können. Wir halten es grundsätzlich nicht für problematisch, wenn sich Arbeitnehmer im Laufe ihres Berufslebens noch einmal umorientieren.
Ist Ihr Unternehmen noch offen für Quereinsteiger?
Grundsätzlich ja, konkret hängt es schlicht von den zu besetzenden Stellen ab. In der Softwareentwicklung ist ein Quereinstieg beispielsweise nur realistisch, wenn sich der Bewerber zumindest privat schon eigenständig und nachweisbar in diesem Bereich fortgebildet hat.
Welche Rolle spielt das Foto in der Bewerbungsmappe?
Gar keine.
Gibt es eine besonders originelle Bewerbung, die Sie beeindruckt und so in Erinnerung geblieben ist?
Wir bekommen viele unterschiedliche Bewerbungen, die zum Teil sehr ausgefallen sind. Manche sind grafisch sehr beeindruckend aufbereitet, andere Bewerbungen bestehen aus extra hierfür erstellten Webseiten. Es gibt hier viele Möglichkeiten sich von anderen Bewerbungen abzusetzen.
Welchen Stellenwert rechnen Sie der akademischen Ausbildung im Vergleich zur praktischen Berufsausbildung (oder -erfahrung) ein?
Beim idealen Bewerber kommt natürlich beides zusammen, denn beides sind wichtige Bausteine für den beruflichen Erfolg. Da wir allerdings bemüht sind, ergebnisorientiert zu arbeiten, haben praktische Kenntnisse für uns eine sehr große Bedeutung.
Wie viel Bedeutung teilen Sie der Abschlussnote (Abitur oder Diplom, Bachelor, Magister etc.) eines Bewerbers zu?
Die Abschlussnote gibt ein grobes Bild von der fachlichen Leistungsfähigkeit – aber auch nicht mehr. Leider variiert die Notengebung in Deutschland von (Hoch)-Schule zu (Hoch)-Schule und erst recht von Bundesland zu Bundesland. Insofern messen wir der Note zwar einen wichtigen, aber keinen herausragenden Wert bei.
Es gibt viele Diskussionen über die Bedeutung von Hard-Skills im Gegensatz zu jener der Soft-Skills. Was wiegt Ihrer Meinung nach schwerer? Und weshalb?
Das lässt sich in dieser allgemeinen Form leider nicht beantworten, es hängt sehr stak auch von den einzelnen Stellen ab. Die Gewichtung würde für einen Softwareentwickler sicher anders ausfallen, als für einen Community Manager. Gleichzeitig gilt hier für uns, dass wir keine Stelle mit jemandem besetzen würden, der aus unserer Sicht in einem der beiden Bereiche gravierende Schwächen hat – es muss also beides zusammen passen.
Welche Inhalte einer Bewerbung sind für Sie die interessantesten (beispielsweise Beweggründe der Bewerbung, sprich Bewerbungsschreiben, Lebenslauf, soziales Engagement etc.) und worauf sollten Bewerber insbesondere bei der Erstellung achten?
Wichtig ist uns besonders die Individualität der Bewerbung. Das heißt, es muss klar ersichtlich sein, dass der Bewerber zumindest das Anschreiben ausschließlich für die Bewerbung bei uns geschrieben hat. Das bedeutet, dass er sich schon im Anschreiben mit unserem Unternehmen und unseren Produkten auseinandersetzen sollte.
Wie stellen Sie sich persönlich ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch vor?
Wenn man nach dem Gespräch das Gefühl hat, einen belastbaren ersten Eindruck vom Bewerber zu haben, ist das für mich ein Erfolg. Dazu gehört unter anderem auf der Bewerberseite auch der Mut ein klein wenig von sich als Person preiszugeben. Das ist in aller Regel für den Bewerber von Vorteil.
Was zählen Sie zu den schwerwiegenden Bewerbungssünden? Gibt es No-Gos innerhalb eines Bewerbungsverfahrens (die Sie dennoch immer wieder erleben)? Was sollte man tunlichst unterlassen, worauf ist besser zu achten?
Immer wieder erleben wir, dass Anschreiben für andere Stellen bei uns wieder verwendet werden – mit klassischen Copy-Paste Fehlern beim Namen, der Stelle oder ähnlichem. Auch in der Rechtschreibung zeigen sich teilweise eklatante Schwächen.
Gehaltsangaben: wie kann man als gänzlich unerfahrener Berufseinsteiger hier überhaupt vorgehen?
Es gibt online diverse Seiten, auf denen Durchschnittsgehälter für Berufsanfänger in verschiedenen Branchen aufgeführt sind. Die meisten davon sind als erste Orientierung durchaus brauchbar. Wenn man die Zahlen mit dem Ort des Arbeitsplatzes – wegen der Gehaltsunterschiede innerhalb Deutschlands – und den individuellen Vorkenntnissen, die man zum Beispiel in Praktika gesammelt hat, kombiniert, liegt man als Bewerber nicht völlig verkehrt.
Schalten Sie Stellenanzeigen im Internet? Wenn ja, wo? Können Sie gute Beispiele von Stellenbörsen im Internet nennen?
Wir schalten fast alle unsere Stellenanzeigen online, schlicht weil wir ein sehr online-affines Unternehmen sind und so schon im ersten Schritt bei den Bewerbern eine gewisse Nähe zum Thema Internet voraussetzen können. Dabei benutzen wir sowohl große Seiten wie monster.de oder stepstone.de, aber auch fachspezifische Jobbörsen für unterschiedliche Branchen.
Über welche Kanäle betreiben Sie Ihr Recruitment außerdem?
Messen spielen inzwischen eine sehr große Rolle für uns. In Deutschland legen wir dabei fast immer unseren Arbeitsschwerpunkt auf das Recruitment. Ganz allgemein legen wir in der gesamten Öffentlichkeitsarbeit viel Wert darauf, uns als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.
Erfolg im Bewerbungsverfahren bedeutet neue Chancen in ihrem Unternehmen zu erhalten. Welche Perspektiven bietet InnoGames Berufseinsteigern?
Wir pflegen die berühmten flachen Hierarchien nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Berufsalltag. Jeder Berufsneueinsteiger erhält bei uns die Chance, sich mit eigenen Ideen in die Gestaltung verschiedenster Projekte einzubringen. Es liegt dann sehr viel daran, wie stark er davon Gebrauch macht – je mehr und je konstruktiver, umso schneller steigern seine Karrierechancen.
Wie gehen Sie mit Bewerbungen um, wenn aktuell keine freien Stellen zu besetzen sind?
Initiativbewerbungen sind bei uns jederzeit willkommen. Wir befinden uns zudem im Aufbau eines Talentpools, in den wir Bewerber aufnehmen, die durch Ihre Qualifikationen und Ihre Persönlichkeit sehr gut zu unserem Unternehmen passen könnten. Sobald wir dann eine freie Stelle haben, die zu den jeweiligen Bewerbern im Talentpool passt, können wir diese direkt ansprechen.
Für welche Unternehmensbereiche bzw. Tätigkeitsfelder vermuten Sie zukünftig den größten Personalbedarf?
Wir sehen bei InnoGames ganz eindeutig in der Softwareentwicklung, unserem Kerngeschäft, den größten Bedarf. Würden wir genügend passende Bewerber finden, könnten wir hier von heute auf morgen 20 neue Stellen schaffen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Weitere Infos gibt es hier: InnoGames