Ausland

Aizu Wakamatsu, Japan

Veröffentlicht am 15. Dezember 2008

Um in einem Animationsstudio ein Praktikum zu absolvieren, wollte Rebecca Krüger (29), Studentin am Department Technik, im Studiengang Medientechnik an der Fakultät DMI, ins Ausland. Inzwischen weiß sie, dass man nicht alles machen kann, was man möchte. Im Interview mit info-parkour.de erzählt sie von den Schwierigkeiten während der Vorbereitungen, dem Spaß an der Durchführung und den unerwarteten Erfahrungen während ihrer Reise in eine gastfreundliche Welt der Erdbeben.

Aus welchen Gründen hast Du Dich für Japan entschieden?

Der ausschlaggebende Grund war meine Leidenschaft für Trickfilm und Anime. Ich selbst arbeite neben dem Studium seit vier Jahren in dem Bereich. Amerika kam für mich nie in Frage. Deswegen gab es für mich nur Japan.

Was waren für Dich die größten Herausforderungen im Ausland (Klima, Freundschaften, Anerkennung von Leistungsscheinen, Heimweh, Sicherheit etc.)?

Die Sprache. Mein Aufgabengebiet, mit dem ich vorher noch NIE etwas zu tun gehabt hatte und mich die Angst plagte, ich könne das nicht, was sich aber als falsch erwies. Ich habe mich ganz gut geschlagen.

[Quelle: Jakob Börner, Absolvent Department Design]

Wie hast Du die Zeit zwischen Lernen/Arbeiten und Schlafengehen gestaltet (Yoga, Parties, Capoeira, Sky-Diving …)?

Wow … das kann ich alles gar nicht aufzählen. Ich war viel essen, bin einigermaßen viel gereist, habe viel mit Freunden und meinem Chef unternommen (z. B. Ski-Fahren, Sehenswürdigkeiten-der-Gegend-Abklappern). Ich war oft in Tokyo und habe dort einen Freund aus Deutschland, der zur selben Zeit ein Praktikum gemacht hat, besucht. Wir haben überwiegend Party gemacht.

Nebenbei habe ich sehr viel Kontakt zu meinen Freunden und zu meiner Familie in Deutschland gehabt. Über Skype. Ich wurde »mitgeschleppt« auf Messen und Veranstaltungen. So kam ich unter anderem auch zur SIGGRAPH 2008 in Los Angeles. Das war eines meiner vielen Highlights.

Welche Kontraste hast Du zur maritimen Hamburger Kultur (kulinarische Differenzen, Klassensysteme, Lautstärke von Fernsehgeräten, Nachbarn und Gesprächen, Floskeln, Umgangsformen, Landschaften, Rituale) erfahren?

Da ich auf einer Art Plateau lebte, umgeben von Bergen, habe ich ganz stark das Meer vermisst. Das habe ich ab und zu besucht, weil es nicht weit entfernt war.

Japan ist ein kulinarischer Hochgenuss. So bin ich viel zum Essen ausgegangen, was dort relativ günstig sein kann.

Japan ist sehr laut, in der Großstadt wie in der Kleinstadt. Aber es war irgendwann auch auszuhalten.

Mein Arbeitsplatz war so klein, dass ich leider oft Knie- oder Rückenschmerzen hatte. Obwohl ich ja nun auch nicht gerade groß bin.

Die mich umgebende Landschaft mit den Bergen war der Hammer. Ich habe zwar das Meer vermisst, dafür habe ich aber auch meinen Ausblick auf die wundervollen Hänge, mit Bäumen, die in unendlich vielen Grüntönen erstrahlten, genossen.

Japaner sind sehr rücksichtsvoll und die Umgangsformen sind sehr zuvorkommend und höflich. Diese Harmonie wirkt nicht künstlich, wie man vielleicht vermuten könnte. Die Umgangsformen fehlen mir hier manchmal. Auch die positive Art. Es gab selten mal jemanden, den man jammern gehört hat. So rennen sie mit einem Lächeln im Gesicht durch die Gegend. Es war schon komisch, als ich wieder in Deutschland unterwegs war, zu merken, wie negativ die Leute hier unterwegs sind. So selten sieht man Menschen, die hier lächeln. In Japan habe ich immer ein Lächeln bekommen und wurde mit so viel Herzlichkeit und Neugier empfangen. Das war ein so schönes Gefühl.

Welche Unterschiede hast Du allgemein zur deutschen Kultur bemerkt?

Die Arbeitskultur ist eine etwas andere. Dabei meine ich nicht, dass sie ohne Schlaf arbeiten. Das ist nicht mehr so. Zumindest nicht dort, wo ich war. Aber die Arbeit ist sehr geregelt, wenig intuitiv oder spontan. Alles wird genauestens geplant. Ich habe so viele Pläne machen müssen, die dann aber im Endeffekt doch nie eingehalten worden sind. Das ist eine relativ uneffektive Art. Zu oft hatte ich Aufgaben an einem halben Tag erledigt, wo ein Japaner einen ganzen Tag für braucht. Erst muss er sich nämlich anschauen, wie man da Schritt für Schritt rangeht. Eher lesen sie die Bedienungsanleitung eines neuen Gerätes durch, bevor sie es überhaupt mal einschalten. Das ist hier doch sehr viel anders. Ich habe auch erlebt, dass teilweise der Spruch »Never change a running system« nur zu oft viel zu ernst genommen wird. Japaner sind sehr neugierig, probieren auch gerne neue Sachen aus, aber nicht, bevor jemand anderes ihnen sagt, wie sie die neue Sache handhaben müssen. Das war so meine Erfahrung.

Japaner leben in einem sehr strengen Regelwerk, was ganz langsam durch die Verwestlichung aufgelöst wird. Aber Tradition wird dort sehr groß geschrieben, was auf den ersten Blick auch schön ist. Aber es gab manchmal Situationen, in denen ich mich gefragt habe, was macht das für einen Sinn. Diese Frage haben sich die Japaner nicht gestellt, sondern einfach gemacht. Wir leben hier doch wesentlich freier.

Wie war die Hilfestellung bzw. Betreuung nach der Ankunft vor Ort (Uni, Firma) und bis zur Abreise?

Großartig. Von Seiten der Firma als auch von gewonnenen Freunden und meiner Vermieterin.

Mit welcher Offenheit ist man Dir im Land als Ausländer begegnet und wie war es, Ausländer zu sein? Gab es Integrationsprobleme?

Integrationsprobleme? Nun, ich denke, man wird nicht wirklich integriert. In Japan werde ich definitiv immer Ausländer bleiben. Das hat allerdings auch seine Vorteile. Man erwartet von mir nicht so viel, wird stattdessen auf Händen getragen. Ich habe sehr viel Neugier und Hilfsbereitschaft erfahren. Für mich ein unglaublich gastfreundliches Land.

Wie ist Dein Blick auf Deine deutschen Mitbürger mit Migrationshintergrund und hat er sich seit Deiner Reise geändert?

Nein. Da hat sich einstellungstechnisch nichts verändert. Ich bin immer noch neugierig, wenn ich jemanden aus dem Ausland hier treffe und interessiere mich immer noch für deren Herkunftsland. Und oft werde ich dann neidisch, wie viel sie schon erlebt haben und denke mir, das kann ich auch.

Was waren Deine schönsten Erfahrungen (die Safari, sich in der Strandbar als Stammgast fühlen, das Gefühl eigenständig zu sein, die erlebte Unabhängigkeit, der Blick vom Berg) und was Deine schlimmsten (Beziehungsbrüche, Kakerlaken, Überfälle von Krokodilen oder Kleindieben, Mord in der Nachbarschaft)?

Was für Beispiele! … Meine schönsten Erlebnisse: Ich hatte im Anschluss an mein Praktikum noch eine Woche Urlaub mit meiner dort lieb gewonnenen Freundin in Kyoto. Das war eine der schönsten Wochen während meines Japanaufenthaltes. Umso schwerer fiel mir der Abschied. Insgesamt war aber jeder einzelne Tag dort wundervoll. Meine schlimmsten Erlebnissen waren die zahlreichen Erdbeben, die ich erleben musste. Ich konnte mich bis zum Schluss leider gar nicht daran gewöhnen.

Planst Du einen erneuten Aufenthalt in diesem Land?

Definitiv. Wenn ich mit meinem Studium im nächsten Jahr fertig bin, werde ich mich erneut dort bewerben. Diesmal aber, um einen »richtigen« Job. Mein ehemaliger Chaf hat mir ein Visum besorgt, mit dem dies möglich ist. Allerdings werde ich mich nicht in der Firma bewerben. Ich werde es noch mal bei einer anderen versuchen. Mal schauen.

Welche Aspekte Deines Auslandssemesters bzw. -praktikums haben Dir besonders gut gefallen?

Die Arbeit im Ausland war hochgradig interessant und im Endeffekt doch etwas anders als erwartet. Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Was ich lernte, hat mich persönlich weitergebracht.

Das Praktikum war ein Praktikum. Das heißt, man erwartete von mir wenig und beschäftigte sich mit mir außerordentlich intensiv. Das sowohl in fachlicher als auch in sozialer Hinsicht. Ich wurde an die Hand genommen. Das war ein schönes Gefühl, sich einfach mal in die Hände anderer fallen zu lassen, ohne sich selbst ständig um alles alleine zu kümmern.

Hat die Vorbereitung des Auslandssemesters Deinen Studienerfolg oder -verlauf stark beeinträchtigt (Vorbereitungsarbeit, Bewerbungen auf Stellen und Stipendien, Visa-Beantragung etc.)?

Nein. Ich wusste von vornherein, was auf mich zukommt. Ich habe rechtzeitig – sprich eineinhalb Jahre zuvor – mit meinen Vorbereitungen angefangen. Diese beinhalteten in erster Linie die Belegung eines Sprachkurses, den ich an der VHS machte und die Vorbereitung für die Bewerbung um ein Stipendium.

Die Bewerbungen fielen direkt in mein Vorlesungssemester. Aber ich habe mir mit Absicht wenig Vorlesungen ausgesucht. Denn ich brauchte kaum noch Scheine. Ich kam mit meinen Projekten etwas ins Wackeln, aber auch das wurde durch die Teamarbeit mit Studienkollegen und deren großartigem Verständnis aufgefangen. So hatte ich Zeit und Kopf, mich mit den Bewerbungen, die unglaublich schwer waren, auseinanderzusetzen.

Gab es Probleme mit der Anerkennung des Praktikums oder der Studienleistungen?

Nein. Im Gegenteil. Meine Professoren fanden den Schritt fantastisch und haben mich in allen Punkten unterstützt, in denen Unterstützung möglich war.

Konntest Du Dich intensiv mit der Landessprache auseinandersetzen oder hast Du überwiegend Deutsch gesprochen? Bist Du mit der Fremdsprache klar gekommen? Welche Vorkenntnisse waren erforderlich? Wie haben sich Deine Kenntnisse im Laufe der Zeit entwickelt?

Ich habe drei Japanisch-Kurse an der VHS belegt, wobei der Lernerfolg aber nur gering war. Japanisch ist sehr komplex. Das reine Besuchen der Veranstaltungen und das Machen der Hausaufgaben führt noch nicht dazu, dass man diese Sprache sprechen kann. Jedoch hatte ich keine Berührungsängste mit der Sprache und konnte mich einigermaßen gut zurechtfinden, auch ohne ausreichend Sprachkenntnisse. Vorkenntnisse kann ich aber nur empfehlen. Sie sind in meinen Augen wirklich enorm wichtig, wenn man nach Japan reisen will. Denn es ist nicht nur ein Gerücht, dass Japaner wenig bis gar kein Englisch sprechen. Das liegt nicht daran, dass sie es nicht können. Sie sind schlicht weg zu schüchtern. Genauso schüchtern wie ich war, um Japanisch zu sprechen.

Ich hatte das Glück (oder das Pech), dass alle um mich herum Englisch sprachen. Die Kollegen in der Firma sahen in mir die Chance, ihre Englisch-Kenntnisse aufzubessern. Meine Homestay-Mama sprach auch Englisch. Und ich habe viele Japaner und Ausländer kennen gelernt, die alle Englisch sprachen.

Darum hat sich mein Japanisch leider nicht so gut entwickelt. Ich besuchte vor Ort einen Japanisch-Kurs. Dort fokussierte man sich jedoch, mich der Grammatik näher zu bringen anstatt das Sprechen zu lehren. Ich kann japanischen Konversationen folgen, wenn ich weiß, worüber sie sprechen. Hat man eine kleine Basis aufbauen können, kann man einiges ableiten. Das half mir oft weiter, sowohl im Lesen als auch im Verstehen. Sprechen ist nach wie vor leider nicht drin.

Bist Du mit Deinem Auslandsaufenthalt fachlich einen Kompromiss eingegangen (z. B. im Ausland tendenziell eher fachfremde/wenig lehrreiche Tätigkeiten, nur wenige anrechenbare Scheine usw.)?

Tatsächlich bin ich einen Kompromiss eingegangen, aber in anderer Hinsicht. Mein Thema: Motion Capture (Aufnahme und Verarbeitung der Daten in Autodesk Maya) passt zwar genau in mein Studiengebiet rein. Allerdings war mein Wunschpraktikum ein anderes. Ich arbeite seit ein paar Jahren in der Animationsbranche und wollte in ein Anime-Studio, weshalb ich mich auch für Japan entschied. Aber es gab für mich keine Chance, ein Praktikum in dem Bereich zu finden. Im Nachhinein bin ich darüber aber gar nicht traurig, denn ich habe nicht nur unglaubliche Menschen kennen gelernt, sondern innerhalb von sechs Monaten so viel gelernt wie ich es noch nie im Leben erlebt habe.

Haben Dich die Vorbereitungen (Vermietung des eigenen Zimmers, Transport von Hab und Gut, Impfungen, Beantragung von Reisedokumenten, Kündigung laufender Telekommunikationsverträge etc.) auf den Auslandsaufenthalt sehr belastet?

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es mich nicht belastet hat. Wenn ich aber jetzt daran denke, empfinde ich es im Nachhinein nicht mehr als stressig. Das gehört einfach dazu. Wenn Freunde und Familie mithelfen, ist alles halb so schlimm.

Wie viel Vorbereitungszeit war insgesamt nötig und war das im Nachhinein dann ausreichend? Was würdest Du heute anders machen?

Schwierige Frage. Ich denke, das einzige, was ich anders machen würde, sind die Bewerbungen. Ich würde wesentlich eher anfangen damit. Aufgrunddessen, dass ich noch auf die Zusage von meinem Stipendium wartete, hatte ich nur knappe drei Monate für die Bewerbungen. Ich habe zwar schon Firmenadressen herausgesucht und alles vorbereitet, aber geschrieben habe ich sie erst nach der Zusage des Stipendiums. Das würde ich heute anders machen.

Grundsätzlich würde ich ganz anders starten als ich es getan habe. Japan war meine erste Auslandserfahrung über einen so langen Zeitraum. Ich habe vorher nie eine Sprachreise oder Ähnliches gemacht. Von daher würde ich heute zunächst ein englischsprachiges Land bereisen, um 100 Prozent fit in Englisch zu sein. Dann erst würde ich nach Japan gehen, wo Englisch ebenfalls eine Fremdsprache ist. Die Entscheidung für Japan war trotz allem aber das Beste, was mir passiert ist.

Ich habe insgesamt etwa zwei Jahre gebraucht, um dann endlich in Japan zu sein. Das ist viel Zeit, aber ich hatte sie nötig. Es gibt Leute, die sind spontaner und leichtfüßiger als ich.

Wie und wo hast Du Dich im Vorhinein von Deutschland aus auf Dein Reiseziel vorbereitet?

Ich habe mich mit Freunden getroffen, um mich mit ihnen über mein Vorhaben intensiv auseinanderzusetzen. Zum Glück habe ich auch eine Freundin, die genau denselben Schritt gegangen ist wie ich ihn vorgehabt habe. Sie hat mir sehr gezielt geholfen.

Das Wichtigste waren der Sprachkurs und das Bücher-Wälzen über die Kultur Japans. Das hat mich vor dem »gefürchteten« Kulturschock bewahrt und mir immer wieder sehr viel Mut gegeben, wenn ich während meiner Vorbereitungen mal ein Tief hatte. Das gab es nämlich auch: Zeiten, in denen meine Kräfte schwanden und ich mich immer wieder gefragt habe, warum mache ich das alles eigentlich?

Welche Insider-Tipps (Wohnungssuche, Austausch mit anderen vor Ort, Integration in den gesellschaftlichen Alltag) kannst Du heute weitergeben?

Schwierig. Nachdem feststand, wo ich mein Praktikum absolvieren werde, habe ich im Vorfeld einen intensiven Kontakt mit meinem damals zukünftigen Arbeitgeber genossen.

Es gab eine Organisation vor Ort in Aizu Wakamatsu, die sich speziell um Ausländer kümmert. An die habe ich mich ab und an mal gewendet. Aber da sich insgesamt sehr viel um mich gesorgt wurde, hatte ich kaum ernsthaften Bedarf an weiteren Hilfestellungen. Ich war eher froh, mal einen Abend für mich allein in meinem Zimmer zu sein.

Sich Zeit nehmen ist vielleicht ein guter Tipp. Es gab eine Phase, da war ich sehr ausgelaugt und erschöpft. Zu viele neue Eindrücke, jeden Tag. Das schafft. Und so habe ich (mithilfe von Freunden) gelernt, mit meiner Freizeit besser umzugehen. Fakt ist, man kann nicht alles sehen und machen, was man gerne möchte. Und man sollte darüber nicht traurig sein. Viel wichtiger ist, zu genießen, was man erlebt. Sich unter Druck zu setzen, weil man das und das noch machen möchte, kann einem viel Spaß verderben.

Welche Möglichkeiten hast Du zur Finanzierung Deines Aufenthalts (Deutsch-Nachhilfe, Kredit, ERASMUS, Eltern, Stipendium, Gespartes, Auslands-BAföG) genutzt und wie hast Du von ihnen erfahren?

Ich war eine der Glücklichen, die ein Stipendium von der InWEnt GmbH bekommen hat. Eine Freundin, die auch schon in Japan war, hat mich darüber informiert und mir einige Tipps für die Bewerbung gegeben. Die Bewerbung und das Auswahlverfahren fand ich persönlich sehr hart, denn mit meinem anscheinend außergewöhnlichen Wunsch, in die Anime-Branche einzusteigen, stieß ich auf wenig Verständnis. Gerade im akademischen Auslandsamt wurde mir das Gefühl gegeben, dass ich neben den ganzen Wirtschafts- und Finanzleuten überhaupt nicht ernst genommen wurde. Im Gegenteil. Es gab zwei von vier Entscheidern, die fanden, dass Anime doch schlecht und viel zu gewalttätig seien. Ich hatte mehr damit zu tun, mich zu rechtfertigen, wie ich nur in diese Branche will als sie davon zu überzeugen, dass ein Stipendium bei mir gut angelegt sei. Ich bin da mit einem sehr schlechten Gefühl herausgegangen. Erstaunlicherweise haben sie sich dennoch für mich entschieden. Eine Begründung war allerdings, dass andere Bewerber sehr schlecht vorbereitet waren. Bei der InWEnt stieß ich dann auf mehr Interesse und Weitblick.

Als zweites Standbein habe ich mich in einem Job, wofür ich ein Semester an der FH ausgesetzt habe, ein ordentliches Sümmchen zurechtgespart. Ich konnte aber für den Zweifelsfall auch auf die Unterstützung meiner Eltern hoffen. Doch ohne Stipendium wäre das alles definitiv unmöglich gewesen.

Was hat während Deines Auslandsaufenthalts die höchsten Kosten verursacht (Reisekosten, Miete, Lebenshaltungskosten, Transportkosten)?

Der größte Kostenfaktor war meine Freizeit. Reisen innerhalb Japans kann sehr teuer werden. Ich habe versucht, so viel es geht vom Land zu sehen. Das hat seinen Preis, der sich aber lohnt. Ich bedauere nicht einen Yen, den ich dort ausgegeben habe.

Wie denkst Du, kann man vor Ort Geld einsparen?

Ich bin der Meinung, dass man keinen Auslandsaufenthalt machen sollte, wenn man jeden Cent umdrehen muss. Wenn ich schon ans andere Ende der Welt fliege, um dort ein halbes Jahr zu leben, sollte ich es auch ausnutzen und so viel wie geht mitnehmen. Es wäre sehr schade, wenn Dir fehlendes Geld da einen Strick draus dreht. Es gab natürlich auch bei mir knappe Zeiten. Aber ich habe dann Abstriche gemacht und bin mal ein Wochenende zu Hause geblieben. Dann ging alles wieder. Außerdem hatte ich das wahnsinnige Glück, von meiner Firma oft eingeladen zu werden.

Wie hast Du eine Unterkunft gefunden und warst Du mit ihr dann zufrieden?

Da mein Unternehmen bereits Erfahrungen mit Praktikanten aus Deutschland hatte, haben sie mir geholfen, eine Unterkunft zu finden. Ich hatte die Wahl zwischen Homestay und eigener Wohnung. Ich entschied mich für Homestay, weil ich nicht alleine wohnen wollte.

Meine Unterkunft war hervorragend. Ich lebte mit einer mittlerweile 68-jährigen Japanerin und ihrem 12-jährigen Hund zusammen. Das hat unglaublich gut funktioniert und wir haben sehr viele schöne Abende miteinander verbracht. Sie lebt in einem relativ großen Haus, wo ich in der zweiten Etage ein eigenes Zimmer, eine eigene Küche und eine eigene Toilette hatte. Das Badezimmer teilten wir uns. Das war alles sehr liebevoll eingerichtet und sehr komfortabel.

Wie hast Du den Kontakt zur Hochschule bzw. Firma hergestellt? Wie hast Du Deinen Platz ausfindig machen können?

Nachdem meine eigenen Bewerbungen ALLE nicht fruchteten, setzte ich mich mit der InWEnt in Verbindung, die mir Kontaktdaten von Firmen schickte, die bereits Studenten aufgenommen hatten. Eine Firma war dabei sehr interessant. Ich habe mich beworben und wurde herzlich willkommen geheißen von denen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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